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Giebel des Lokschuppens

Giebel des Lokschuppens





Bahninsel Mannheim

Der Begriff „Bahninsel“ umschreibt treffend die Situation von drei historischen Bahn-Gebäuden südwestlich des Mannheimer Hauptbahnhofs: Sie liegen derzeit inmitten einem Meer von Schutt, bald werden es die Baustellen für „Mannheim 21“ sein, ein neues Stadtquartier im Stadtteil Lindenhof. Eines der Häuser ist schon gar nicht mehr zu sehen, denn es wurde von einer Bürgerinitiative sorgfältig abgetragen und in Containern verstaut.
Es handelt sich bei den Gebäuden um den alten Lokschuppen, das Werkstattgebäude und um eine kleine Fahrzeughalle.


- Lokschuppen und Betriebswerkstätte:

Die beiden gründerzeitlichen Gebäude gehören zu den ältesten Teilen des 1872-1876 errichteten (zweiten) Mannheimer Hauptbahnhofes (siehe:
rhein-neckar-industriekultur.de ), der auf der anderen Seite der breiten Gleisanlagen zu sehen ist.
Durch den Lokschuppen führen drei Gleise von Ost nach West, deren Anbindung an die Gleisanlagen jedoch unterbrochen ist. Im Inneren weist der Lokschuppen drei Stände mit je 50 m Länge auf, die ursprünglich alle als Längsgruben gemauert waren, von denen Wartungsarbeiten von unten durchgeführt werden konnten. Heute ist nur noch der mittlere nutzbar.

Beide Gebäude sind 1872 in regelmäßigem Schichtenmauerwerk aus Buntsandstein errichtet worden. Von außen ist der Lokschuppen giebelseitig mit jeweils drei Einfahrten und großen Metalltüren ausgestattet, in der Mitte mit einem runden Fenster. Der Giebel ist am Ortgang mit Stufenornament verziert. Die langen Seiten sind in 11 Felder gegliedert, getrennt durch Lisenen. Zum Bahnhof hin befinden sich große Fenster, während nach Süden offenbar später ein Anbau errichtet wurde.

Das Dach ist mit einem gläsernen Lichtband im Firstbereich versehen, das viel Licht in die Halle lässt. Darauf befinden sich noch Entlüftungsaufsätze, die nicht ursprünglich sind.

Heute sind im Inneren des Gebäudes keine Loks oder andere Wägen zu sehen, es stehen mehr oder weniger moderne Gerätschaften des Bahnwesens herum. Außerordentlich beeindruckend ist aber die Konstruktion des Daches mit seinen vielen Holzbalken und Verstrebungen. Auch die Gruben sind noch erkennbar. In den modernen Vorbauten sind Büros untergebracht.

Die Betriebswerkstätte, ca. 10 Meter südlich und parallel zum Lokschuppen erbaut, ist dagegen ein lang gestreckter zierloser Funktionsbau. Auffallend sind die paarweise gruppierten großen Fenster.

Die Erhaltung und Nutzung beider Gebäude ist eine langjährige Forderung der Bürger-Interessen-Gemeinschaft Lindenhof (BIG) und anderer Vereine.


- Die historische Schienenfahrzeughalle (sehr ausführlich beschrieben siehe Download):

Die ehemalige, sehr kleine (100qm) Schienenfahrzeughalle war in den letzten Jahrzehnten von Wildem Wein fast gänzlich überwuchert. Sie weist von allen drei Gebäuden die architektonisch detailreichste Fassade aus Vormauerziegeln und Sandsteinen auf. Die Fenster sind aus Guss- und Schmiedeeisen mit floralen Verzierungen, die auf Jugendstil hinweisen.
Weder die Zeit der Erbauung, noch ihr ursprünglicher Zweck sind eindeutig geklärt. Es deutet viel darauf hin, dass sie erst um 1900 als Schienenfahrzeughalle gebaut wurde, denn das Gebäude hatte sogar Gleisanschluss. Andererseits war das Gebäude so niedrig, dass es mit üblichen Dampflokomotiven nicht durchfahren werden konnte.
Bis zu seiner Auflassung nach dem 2. Weltkrieg, in dem es stark beschädigt wurde, diente das Gebäude nach Aussage eines früheren Bahnmitarbeiters als Schmierstofflager.

Nachdem die Stadt Mannheim die Bahninsel von der Bahn AG abgekauft hatte, haben sich einige Lindenhofer Bürger, insbesondere Herr Harald Baumann für den Erhalt des historischen Gebäudes durch Abtragung und Wiedererrichtung in anderer Örtlichkeit ausgesprochen. Die Stadtverwaltung begrüßte die Bürgeraktion und ließ LKW – Aufleger zur Einlagerung der wichtigen gesäuberten Bauteile und Baustoffe bereitstellen. Die Arbeiten wurden von 8. Juni bis 9. Dezember 2009 in ehrenamtlichem Engagement durchgeführt.
(Vergleiche hierzu die als download beigefügten Dokumente)

Nutzung (ursprünglich)

Lokschuppen, Werkstatt, Fahrzeughalle

Nutzung (derzeit)

Büros und Geräte des Fahrleitungsbetriebes.
Zukünftige Planung: Kulturelle Zwecke und/oder Gastronomie

Geschichte

In den Gebäuden wurden ab 1872 die Reparaturen an den 18 Lokomotiven, 98 Personenwagen, 200 Güterwagen und 4 Dampfkranen des damaligen Mannheimer Bahnhofes durchgeführt.
Dazu kamen Reparaturen an ca. 40-50 „fremden Lokomotiven“, die jedoch weitgehend von deren eigenem Personal bewältigt wurden.
Die Arbeiten in der Betriebwerkstätte geschahen unter Aufsicht eines Werkmeisters und zweier Werkführer.

In der Werkstatt und im Lokschuppen waren zahlreiche damals neuartige große Werkzeuge und Kraftübertragungsanlagen installiert, darunter auch ein stehendes Lokomobil und eine Saug- und Druckpumpe mit 6.5 m Brunnentiefe.

Die beiden Gebäude waren 1872 die ersten Gebäude im bis dahin weitgehend unbebauten Lindenhof (es gab einige Höfe und Betriebe, eine Gasanstalt und Lanz baute die Gießerei auf). 1888 hatte der Lindenhof bereits 1870 Einwohner, aber noch keine Wasserversorgung aus der Stadt. Deshalb mussten die Lindenhofer Bürger am Brunnen der Bahn einmal in der Woche unter polizeilicher Aufsicht ihre Wochenration an Trinkwasser abholen.

Nur der Lokschuppen ist denkmalgeschützt.

Eigentümer

Stadt Mannheim

Erbauer

Gemeinschaftsprojekt der Badischen Staatseisenbahn und der Preußisch-Hessischen Bahn

Bauzeit / Umbauten

1872 und ca 1900

Quellen

Informationstafel der BIG-Lindenhof am Lokschuppen
Informationen von Herrn Harald Baumann (Siehe Schreiben als Downloads)

Autor/in

Barbara Ritter

Downloads


Adresse

John-Deere Straße, nord-östlich des Glückstein Platzes an der B 36 
68163 Mannheim

Stadt / Landkreis

Zufahrt

Hauptbahnhof, Ausgang Rückseite
Nächste VRN-Haltestelle:
VRN-Haltestellen-Plan: Mannheim, Lindenhofplatz.
efa9.vrn.de
VRN-Linien-Netzplan:www.vrn.de

Öffnungszeiten

Von außen sichtbar.

Denkmalgeschützt ?

Ja

Barrierefrei ?

Teilweise