• Vorheriges Bild
  • 1 / 10
die alte Halle

die alte Halle





Schumacher - ehem. Kartonagenfabrik im Mannheimer Industriehafen

Anthrazitfarbene Eisentore führen in einen aufgeräumten Hof mit teuren Limousinen, Rasenflächen und getrimmten Hecken und Bäumen vor einer alten Industriehalle. Angeschlossen ist seitlich ein kubischer Neubau. Das Glastreppenhaus zwischen den zwei weißen, zum Hof hin fensterlosen Gebäudeteilen gibt den Blick auf das Wasser frei. Im nächsten Hof steht ein merkwürdiges Gebäude: fünf Stockwerke Beton und Glas auf Stelzen – quasi hochhackig. Ab und zu laufen Frauen zielstrebig zwischen den Häusern hin und her. Hier ist der Firmensitz des weltweit bekannten Modelabels Schumacher. „Der Teufel trägt Prada“ – für diesen Film hat die Modedesignerin Dorothee Schumacher die Ausstattung gestellt.
„Schumacher“ steht auf der Stirnseite des kleinen Hauses an der Straße, es hat sparsamen gründerzeitlichen Bauschmuck, die Ecken sind durch rote Backsteine betont.
Die Lettern „Schumacher“ prangen ebenso auf Schildern, die den Hof teilen wie eine spanische Wand.
Die sehr nüchterne, etwa 100 Jahre alte, historische Halle ist aus groben, gelben Backsteinen gebaut, das Betonskelett ist sichtbar und durch einen hellgrauen Anstrich betont. Das Metall der gefachten Fenster ist dunkelgrau gestrichen. Man kann die hölzerne Dachkonstruktion erkennen. Bei Nacht ist diese Halle an beiden Giebeln fantastisch illuminiert - gut zu sehen von der Diffenébrücke.
Im Gegensatz dazu steht das hohe Haus. Es ist vermutlich aus den 1960er Jahren und komplett aus Glas und Beton, der schon etwas angenagt wirkt. Wie Schichten ziehen sich die matten Industrieglasfenster dicht an dicht rings um den Bau und geben freimütig den Blick auf Kleiderstangen und Kartons frei. Weitere Industriebauten neueren Datums gruppieren sich an der Straße.
Zum Wasser hin ist alte Bausubstanz zu einem Showroom umgenutzt. Durchgestylte Blumenkübel betonen die coole Architektur.
Von der ursprünglichen, 90 Jahre dauernden Funktion als Kartonagefabrik ist nichts mehr zu erkennen. Die Nachbargrundstücke am südöstlichen Teil des Industriehafens sind gekennzeichnet von historischen Fabrikgebäuden, Ruinen, rostenden Wellblechhallen und chaotischen Lagern. Hier treffen die Gegensätze noch stärker aufeinander. Ursprünglich wurde das ganze südliche Ufer offiziell „Russenkai“ genannt.

Nutzung (ursprünglich)

Kartonagefabrik

Nutzung (derzeit)

Firmensitz der Modelabels Schumacher

Geschichte

Als der Industriehafen zwischen 1889 und 1907 gebaut wurde, kaufte Friedrich Brenneis für seine Fenster- und Türenfabrik einen Bauplatz von 2437 qm an der Industriestraße 47. (Quelle 1)
Doch schon wenige Jahre später, verkaufte er sein Anwesen an Alfred Hirschland für dessen „Oberrheinische Cartonagenfabrik“. Diese Kartonagefabrik ist 1908 aus der Verpackungsabteilung der Korsett- und Miederfabrik Herbst – besser bekannt als „Felina“ – hervorgegangen. Eine gewisse Nähe zum modischen Drunter und Drüber gab es also schon früh. (Quelle 2.) Mehr zur Felina unter
rhein-neckar-industriekultur.de

In den 1920er Jahren firmierte die Cartonagenfarbik als „Hirschland und Schiettinger GmbH“. An der Firma waren Alfred Hirschland mit 30.000 und Robert Steger mit 5.000 RM beteiligt.
Im Nationalsozialismus mussten sie die Fabrik verkaufen, denn sie waren jüdischer Religionszugehörigkeit.
Am 23.8.1938 verkauften beide ihre Anteile an die Kartonagenfabrik Annweiler; Hirschland verkaufte zudem einen Anteil von 5.000 RM an Julius Buchmann aus Rinnthal / Saarpfalz. Gleichzeitig trat Hirschland als Geschäftsführer zurück, neue Geschäftsführer wurden Julius Buchmann und Fritz Baumann. (Quellen 3. Christiane Fritsche, bisher unveröffentlichte Archivstudien). Über das weitere Schicksal von Alfred Hirschland und Robert Steger ist bisher nichts bekannt.

Der neue Besitzer der Fabrik in der Industriestraße war von 1938 bis in die 1990er Jahre die „Kartonagenfabrik Annweiler Fr. Baumann K.G.“. Der Karton selbst wurde von der heute noch existierenden Kartonfabrik Buchmann in Annweiler produziert.

In der Nachkriegzeit siedelten sich neben der Kartonagenfabrik Annweiler auf dem Geländer noch weitere kleine Firmen an. 1950 waren hier August Engel mit einer Fischräucherei gemeldet sowie Dr. Kurt Brenner mit einer Kittfabrikation und chemischen Erzeugnissen (Quelle 4).
Ab 1960 ist die Kartonagenfabrik Annweiler Fritz Baumann nur noch als Zweigniederlassung geführt. In den 1990er Jahren wurde sie in Mannheim stillgelegt. Eine weitere Niederlassung hatte die Kartonagenfabrik in Hauenstein. Dort produziert sie heute hochwertige bedruckte Verpackungen aus Vollpappe. Sie wurde von „Schumacher-packaging“ (die Namensgleichheit ist rein zufällig!) übernommen (Quelle 5).

Dorothee Schumacher hat 1989 eines der erfolgreichsten deutschen Label gegründet. Sie ließ 1998 die ehemalige Kartonagenfabrik durch den Pariser Architekten Yves Bayard zu großzügigen Ateliers, Lagern und Showrooms umbauen. Fast alle 80 Mitarbeiterinnen sind Frauen. „Viele der Angestellten sind Mütter. Wahrscheinlich hat man eher den Mut, Beruf und Kinder zu vereinbaren, wenn die Chefin diese Situation kennt und versteht.“ (Quelle 6). Mehr zu Schumacher in Mannheim siehe Downloadbereich.

Eigentümer

Schumacher

Erbauer

Friedrich Brenneis, Alfred Hirschland, Fritz Baumann

Architekt

historischer Bau unbekannt, Umbau: Yves Bayard

Bauzeit / Umbauten

Ab 1906

Quellen

1. Dr. Sigmund Schott. Der Industriehafen zu Mannheim 1907
2. Mannheim in Vergangenheit und Gegenwart, Jubiläumsausgabe der Stadt 1907, Band 3 (1871-1907)
3. Im Generallandesarchiv Karlsruhe gibt es zur Oberrheinischen Cartonagefabrik folgende Akten: Abt. 237 Zugang 1967-19, Nr. 717a., Abt. 237 Zugang 1967-19, Nr. 1357 und 276-1 Nr. 21518.
4. Adressbücher der Stadt Mannheim
5. Geschichte der Kartonfabik Schumacher auf deren webseite
www.schumacher-packaging.com
6. Artikel über Dorothee Schumacher in der Zeit
www.zeit.de

Autor/in

Barbara Ritter

Downloads


Adresse

Industriestraße 47
68169 Mannheim

Stadt / Landkreis

Mannheim

Zufahrt

Nächste VRN-Haltestelle: Friesenheimer Insel, Bastion
VRN-Haltestellen-Plan:efa9.vrn.de
VRN-Linien-Netzplan:www.vrn.de

Kontakt

Tel: +49(0)621 127 25 0
Fax: +49(0)621 1272 56 01
www.dorothee-schumacher.com
info@dorothee-schumacher.com:

Denkmalgeschützt ?

Nein

Barrierefrei ?

Nein