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Die Idylle trügt - leider





Kauffmannmühle - Erste Mannheimer Dampfmühle von Ed. Kauffmann Söhne GmbH Mannheim

Die Kauffmannmühle war die erste von sechs der dampfgetriebenen Großmühlen, die Mannheim um die vorletzte Jahrhundertwende zum Standort des bedeutendsten Mühlenzentrums in Süddeutschland machen sollte.
Die direkt am Verbindungskanal liegenden Gebäude - Silo und Lagerhallen - sind ein imposantes aber langsam zerfallendes Industriedenkmal, das auf eine neue Nutzung wartet; ebenso wie die eigentlichen Mühlengebäude Ecke Hafenstraße / Böckstraße ...

Nutzung (ursprünglich)

Weizenmühle und Erbsenschälerei bis 1960

Nutzung (derzeit)

Unternehmen der IT- und Musikbranchen sowie Künstlerinitiativen haben sich im ehemaligen Verwaltungsgebäude und der Kantine gegenüber dem Silo angesiedelt.

Hier arbeitet auch der Sponsor unserer Webseite 'digi-info' in schön sanierten großflächigen Räumlichkeiten, die noch den Charme der Gründerzeit ausstrahlen.
Die ehemalige Kantine wird vom Künstlerhaus 'zeitraumexit' als Veranstaltungs- und Ausstellungssaal genutzt.

Geschichte

Grundlage der Mühle war das 1839 vom Heidelberger Händler Eduard Kauffmann in Mannheim eröffnete Handelsgeschäft für Material-, Farb- und Spezereiwaren.
Die Söhne konzentrierten sich auf Mehl und Hülsenfrüchte, deren Herstellung bis 1883 im Schriesheimer Tal stattfand.
Ungünstige Transportwege und zu geringe Vermahlungskapazitäten – man brauchte für die wachsende Bevölkerung insbesondere in den Industriezentren Getreide aus anderen Ländern der Welt – führte 1881-1883i zum Bau der ersten Dampfmühle im Mannheimer Handelshafen .

Die Pfälzischen Mühlenwerke - eine weitere Großmühle seit Anfang des 20. Jahrhunderts im Industriehafen - waren seit den 20er Jahren maßgeblich am Grundkapital beteiligt.
In der Leitung von Pfalzmühle, Kauffmannmühle und den (bis Ende des 2. Weltkriegs existierenden) Rheinmühlenwerken am Rheinkai bestand Personalunion.
Der Fabrikant Otto Kauffmann z.B. war Aufsichtsratsmitglied der Pfalzmühle.

Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts erweitert und erneuert, überstand die Kauffmannmühle die beiden Weltkriege ohne nennenswerte Schäden. Obwohl in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg gut ausgelastet, wurde sie 1960 nach 77 Jahren Produktion im Rahmen gesetzgeberischer Strukturmaßnahmen (Überkapazitäten in der Müllerei sollten "geordnet" abgebaut werden) stillgelegt.

Die Weizenmehlmarke "Rheingold" war über Mannheims Grenzen bekannt.

Mit der Entwicklung städtebaulicher Konzepte für neue Arbeitsplatzstrukturen im Jungbusch sind Investitionen in den aufwändigen Erhalt des alten Industriedenkmals möglich.
Erste Mieter wie der Musiksender Sunshine live oder IT-Firmen wie digi-info sind nach Sanierungsarbeiten in das 6-geschossige Verwaltungsgebäude gegenüber dem am Wasser gelegenen Silo und Lagerhalle eingezogen, so wie auch seit April 2007 die Künstlerinitiative zeitraumexit.

Eigentümer

Reinhard Suhl

Erbauer

E. Kauffmann & Söhne, Ingenieurtechnische Planung: Hans Bittinger aus Regensburg

Architekt

Mannheimer Architekten Philipp Jelmoli und Karl Blatt

Bauzeit / Umbauten

1881- 1883, 1905

Baubestand

Der Mühlenbau ist ein charakteristisches Beispiel industriellen Bauens des späten 19. Jahrhunderts.
Das am Wasser liegende alte Lagerhaus und das 30 m hohe Silo aus gelbem und rotem Sandstein wie auch die eigentliche Mühle sind durch jahrzehntelangen Leerstand in einem katastrophalen Zustand.
Das gegenüberliegenden Verwaltungs- und das Kantinengebäude wurden im Rahmen des städtebaulichen Gesamtkonzepts für die Wiederaufwertung des Hafenviertels Jungbusch in den letzten Jahren saniert.

Quellen

Führer durch die Industrie- u. Hafenanlagen von Mannheim, Rheinau und Ludwigshafen; hrsg. von der „Rhein“- Verlags-Gesellschaft m.b.H., Duisburg-Ruhrort, 1909
Mannheimer Stadtreklame (Hrsg.), Mannheim – Das Kultur- und Wirtschaftszentrum Südwestdeutschlands, 1928
Stadtarchiv Mannheim und Mannheimer Architektur- und Bauarchiv e.V., Mannheim und seine Bauten 1907-2007, Bd. 4, Andreas Schenk, Bauten für Verkehr, Industrie, Gesundheit und Sport, 2004
Der Brockhaus Mannheim, Leipzig - Mannheim, 2006
Andreas Schenk, Architekturführer Mannheim, Hrsg. Stadt Mannheim, 1999
Hanspeter Rings, Mannheim auf Kurs - Hafen- und Schifffahrtsgeschichte der Stadt an Rhein und Neckar, 2003
eigene Recherchen heutiger Inhaber und Mieter

Autor/in

Hilde Seibert / Fotos Gieseler/Seibert

Adresse

Hafenstraße 27-31, 68-72
68159 Mannheim

Stadt / Landkreis

Mannheim

Zufahrt

Vom Park-Ring über die Kirchenstraße in die Hafenstraße. Die Mühle liegt nahe der Teufelsbrücke am Verbindungskanal des Handelshafens zwischen Neckar und Rhein.

Weblinks

www.digi-info.de
www.zeitraumexit.de

Kontakt

Reinhard Suhl (Besitzer),
0621 - 32885819

Öffnungszeiten

Die Mühlengebäude sind von der Hafenstraße wie von der Wasserseite aus sehr gut sichtbar.

Denkmalgeschützt ?

Ja

Barrierefrei ?

Nein