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Altes Klärwerk in Mannheim

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Pumpenhaus
Eingangsportal und Meisterhaus
Meisterhaus
Detail am Giebel des Meisterhauses
Glasierte Ziegel auf den Eingangspfosten
Pumpenhaus für Hochwasser
Kunstobjekte und Dachkonstruktion im großen Pumpenhaus
Wasserturm, Pumpenhaus und Klärbecken
Becken Richtung Einlauf des Wassers
Gang auf Höhe der Absperrschieber beim Auslass
Reinigungsgang beim Wasserauslass
Fassade des Kleinen Pumpenhauses
Küchen-Kacheln und Fensterchen im Klär-Meisterhaus
Jahreszahl 1904 an der Einlaufseite der Klärbecken
Pumpe und Kunstobjekte
Pumpenhausfront
Querschnitt durch das Pumpenhaus
Treppenhaus im Meisterhaus
Türe zum großen Pumpenhaus
Fenster und Pumpe im großen Haus
Fenster mit grün glasierten Kacheln an der Fensterbank
Meisterhaus mit Eingang zur Wohnung und links zu den Duschen

Das erste Klärwerk Mannheims – bestehend aus sechs Klärbecken, zwei Pumpenhäusern und einem Wasserturm sowie dem Wohnhaus des Klärwerksmeisters - ist fast vollständig erhalten, obwohl es 25 Jahre brach lag. Heute wird es als Künstleratelier und Ausstellungsraum der städtischen Wasserwirtschaft genutzt. Ein Areal von 10.000 Quadratmeter gehört zu dem Ensemble der norddeutschen Backsteingotik mit Jugendstilelementen, das im Vergleich zu der in Sandhofen 1973 neu erbauten Kläranlage geradezu malerisch wirkt.

Zunächst sieht man hinter einer mit angedeuteten Türmchen gemauerten Einfahrt das Wohnhaus des Aufsehers liegen. Das zweistöckige rote Backsteinhaus ist bedeckt mit grün glasierten Dachziegeln, die z.T. auch noch grün bemoost sind. Die vielfältige Dachlandschaft ist nach allen Seiten mit Zwerchhäusern und Treppengiebeln gegliedert. Verzierungen unter der Dachtraufe sind im neugotischen Stil wie eine Bordüre aus Backsteinen um das Haus geführt. Innen ist außer der Raumaufteilung leider nichts mehr original erhalten. Fast ländlichen Charakter erhält das Häuschen durch seine vielen grünen Klapp-Fensterläden.

Etwas weiter hinten im Gelände, aber immer noch gut sichtbar, steht das große Pumpenhaus, ebenfalls in Backstein ausgeführt. Allerdings wurden hier die Fugen bei der Renovierung durch Biotopia penetrant weiß ausgemalt. („Weiße Fugen stören die ruhige Wirkung, man vermeide sie“, das sagte Richard Perrey, der längst verstorbene Architekt selbst, zitiert nach Volker Keller, Richard Perrey in Mannheim).  Innen sind zwei der ehemals drei Pumpen noch zu sehen. Sie wurden nur zeitweise zum Ausgleich der Wasserspiegel zwischen Klärbecken und Rhein bei Hochwasser eingesetzt. Heute nutzt der Künstler und Bildhauer Rüdiger Krenkel das Haus und Teile des Freigeländes als sein Atelier.

Die sechs Klärbecken, das Pumpenhaus und den Wasserturm kann man vom Eingang links (im Winter leichter) erkennen. Teilweise sind die Becken mit Regenwasser gefüllt. Nur nach Betreten des Geländes kann man die die Zu- und die Ablauf-Galerie genauer betrachten. Die mit Backsteinen gemauerten Becken sind 48 Meter lang, fünf Meter breit und durchschnittlich zwei Meter tief, wobei sie ein leichtes Gefälle Richtung Zulauf haben. Die Becken sind über die Zulaufgalerie miteinander verbunden und konnten durch Schieber einzeln geschossen werden. Auch der Ablauf erfolgte über ein gemeinsames Wehr.

Gereinigt wurde das Schmutzwasser mittels Sandfängen, Rechen und Sieben sowie durch das langsame Durchfließen der Absetzbecken, bei dem sich die Feststoffe absetzten. Am Ende der Absetzbecken ist noch einmal ein feiner Rechen von 3 mm Durchlassweite angebracht, um restliche Schwebstoffe zurück zu halten. Bevor der Schlamm abgepumpt wurde, setzt man das Becken außer Betrieb und leitete das stehende Wasser ab. Der abgesetzte Schlamm wurde mit einer elektrischen Pumpe im Pumpwerk durch eiserne Rohleitungen von ca. 2 km Länge auf städtische Wiesen und Äcker jenseits des Hochwasserdamms befördert und als Dünger genutzt.

Im Pumpenhaus wurde die Zusammensetzung des Schlamms zuvor untersucht. Das gereinigte Abwasser wurde über einen zwei Kilometer langen Kanal (Siel) zum Rhein hin abgeleitet. Mittels eines 25 Meter langen Rohres wurde es direkt auf der Flusssohle eingeleitet, damit es sich schnell mit dem Rheinwasser vermischt. Im Falle von Epidemien wie Typhus und Cholera sollte das Abwasser mithilfe von Chlorkalk desinfiziert werden. Der Wasserturm diente als Behälter für das Spritzwasser zum Reinigen der Klärbecken. Ursprünglich war der Kopf des kleinen Wasserturms holzverkleidet. Heute trägt er noch das Logo von Biotopia, ein Arbeitsförderungsbetrieb, der hier über 10 Jahre ansässig war.

Nutzung (ursprünglich): 

Kläranlage bis 1973, mechanische Abwasserreinigung

Nutzung (derzeit): 

Großes Pumpenhaus: seit 2007 Atelier von Rüdiger Krenkel, Wärterhaus: von1998-2010 Werkstätten und Bauhof der Abteilung Farbe von Biotopia. Heute Wohn- und Ausstellungsräume.

Geschichte: 

Bis 1900 leitete die Stadt Mannheim, wie andere Städte auch, ihr Abwasser noch ungesäubert in den Rhein. Aufgrund einer Ermahnung der badischen Regierung begann die Planung einer mechanischen Kläranlage auf der Friesenheimer Insel. Diese sollte das Schmutzwasser von den höher gelegenen Stadtteilen (Sandhofen, Waldhof, Luzenberg) aufnehmen, sowie das Schmutzwasser von den tiefer gelegenen Stadtteilen (alles links des Neckars und die der Neckarstadt), das über das Schmutzwasserhebewerk am Ochsenpferch (erbaut ebenfalls 1903) auf die erforderliche Höhe gebracht und etwas vorgereinigt worden war.

1903 wurde die wasserpolizeiliche Genehmigung erteilt, Baubeginn war 1904. Am 14. Juni 1905 wurde das Klärwerk in Betrieb genommen. Es galt zu seiner Zeit als vorbildlich. Ab 1. Juni 1905 wurde erstmals eine Gebühr für die Benutzung der städtischen Kanäle fällig. 1906 baute man ein weiteres Pumpenhaus, das nur bei Hochwasser zum Einsatz kam. Es pumpte das Wasser, das den Wasserspiegel der Klärbecken überstiegen hätte, nur grob mechanisch gereinigte in den Rhein. Das Wärterhäuschen der Kläranlage wurde erst 1908 gebaut.

Die Kläranlage wurde jedoch zu klein und war in den 1970er Jahren nicht mehr auf dem neusten Stand der Technik. Mit dem Neubau des neuen Klärwerks wurde das alte stillgelegt.

Eigentümer: 
Stadt Mannheim
Erbauer: 
Hochbauamt und Tiefbauamt (für die technischen Bereiche)
Architekt: 
Richard Perrey. Architekt und Leiter des städtischen Hochbauamtes
Bauzeit / Umbauten: 
zwischen 1904/5 und 1908
Quellen: 
  • Volker Keller, Richard Perrey in Mannheim, Erfurt, 2005
  • Mannheim und seine Bauten 1606 bis1906, Herausgegeben von Unterrheinischen Bezirk des Badischen Architekten und Ingenieursvereins Mannheim Ludwigshafen 1906 Andreas Schenk,
  • Architekturführer Mannheim, Berlin 1999
  • Vom Festungsgraben zum Ringkanal, Kleine Entwässerungsgeschichte der Stadt Mannheim 1606-1906, Sabine Pich, Heidelberg 2010
Autor/in: 
Barbara Ritter
Kontakt: 

Künstler: Rüdiger Krenkel
Fon: 0621 15208212

Zufahrt: 

Nächste VRN-Haltestelle: Mannheim, Friesenheimer Insel, Einsteinstraße

VRN-Fahrplanauskunft

Öffnungszeiten: 

Teilweise von außen sichtbar, ansonsten auf Anfrage beim Künstler

Denkmalschutz: 
Ja
Barrierefrei: 
Teilweise

flag

ARTIST STUDIO IN THE "WASTE WATER CHURCH"

THE OLD SEWAGE TRATMENT PLANT

Up until 1900, the city and industry piped their untreated waste water into the River Neckar and the old Rhine. This was much to the disadvantage of the communities that lived further down the Rhine, as they drew their drinking water from the river. When a new waterborne sewage system was planned, it became clear that the waste water would contain human excrement. For this reason, the district government insisted on the construction of a sewage treatment plant. In 1905, a new mechanical sewage treatment plant was opened. The waste water technology was devised by William H. Lindley, once the leading sanitary engineer in Europe.

The extraordinary architecture of the plant is the work of the town’s master mason Richard Perrey. The large pump house, with its impressive frontage, resembles a Church in the style of North German Brick Gothic. The ensemble – which was in operation until the construction of a new biological treatment plant in 1973 – is almost completely preserved. It consists of six sedimentation tanks, two pumping houses, a water tower and the supervisor’s house.

The work in a sewage treatment plant was hard and unpleasant. It involved working in a stinking sludge and included the checking of the rakes, slides and valves that controlled the water levels. The sedimentation tanks also had to be cleaned. An engineer carried out a laboratory analysis of the chemical composition of the sludge. Other workers were responsible for the maintenance of the pumps that transferred the sewage sludge directly onto the fields. At high tide the treated water was pumped into the Rhine.

The old sewage treatment plant now looks most attractive, and this is thanks to the artist Rüdiger Krenkel, who has had his studio in the pump room since 2007. The old sewage treatment plant is one of the few remaining "witnesses" of the early waste-water technology in Europe. It is classified as a listed building and is therefore officially protected.

IMAGES

In the six settling tanks, the speed of the effluent flow was reduced and particles sank to the bottom. The sludge was pumped out and the treated waste water flowed through a channel into the Rhine. It flowed in at the level of the river bed. In the small pump house (right) an electrically operated piston pumped the sludge onto fields belonging to the town. It was left to dry and was then used as fertilizer.

Once a week, one of the basins was cleaned. A large rake was used to collect the sludge. The workers wore special long waterproof boots and leather aprons. These were made by the workers in the plant.

Here one can see into the mouth of the channel, which has now been walled up. The discolouration of the walls shows the normal level of the waste water. The vault of the cleaning passage is a brilliant example of brickwork and is still completely preserved, despite being in use for 70 years.

Flagge Frankreich

L'„EGLISE DES EAUX USEES“

TRANSFORMEE EN ATELIER POUR ARTISTES

Jusqu'en 1900 la ville et l'industrie déversent leurs eaux usées sans aucun retraitement préalable dans le Neckar et l'ancien bras du Rhin, ce qui fâche les communes situées en aval qui en puisent leur eau potable. Quand est  décide de mettre tout-à-l'égout, donc de déverser en plus les matières fécales, le gouvernement régional impose la construction d'une station d'épuration. De conception mécanique, elle est inaugurée en 1905. La technique de traitement des eaux est celle de William H. Lindley qui est à l'époque la référence européenne en la matière. L'aspect architectural exceptionnel est l'œuvre de l'architecte urbain Richard Perrey. La grande salle des pompes avec sa façade magnifique ressemble au style gothique des églises en brique du nord de l'Allemagne. Les installations, conservées presque dans leur totalité, fonctionnent jusqu'en 1973, date de la mise en service de la nouvelle station d'épuration biologique : six bassins de décantation, deux salles des pompes, un château d'eau ainsi que la maison du contremaître.

Les boues de curage sont analysées en laboratoire par un ingénieur. L'entretien des pompes déversant les boues dans les champs ou, en cas de crue, les eaux usées dans le Rhin sont entretenues par des ouvriers qualifiés. Par contre, le contrôle des râteaux, des vannes et de la robinetterie, destinées à réguler le niveau d'eau, ainsi que le nettoyage des bassins de décantation est une dure corvée, en plein purin.

Que l'ancienne station d'épuration se présente de nos jours sous un aspect si agréable, est l'œuvre de l'artiste Rüdiger Krenkel qui a installé son atelier depuis 2007 dans une des salles des pompes. L'ancienne station d'épuration, classée monument historique, est une des rares stations conservées et témoigne des débuts du traitement des eaux usées en Europe.

IMAGES

Les six bassins de décantation ralentirent les courants des eaux usées et la matière en suspension se déposa au fond. Ensuite, la boue fut enlevée par pompage et l'on déversa l'eau traitée par le canal d'écoulement qui déboucha au fond du Rhin. A l'aide d'une pompe à piston électrique de la petite salle des pompes (à droite), on déversa les boues dans les champs municipaux. Après leur séchage, on les utilisait comme engrais.

Chaque jour ouvrable, on nettoya un autre bassin. On ramassa les boues de curage à l'aide de larges râteaux. Les ouvriers étaient vêtus de bottes hautes et étanches et de tabliers en cuir que l'on fabriquait au sein de la station.

Vue sur la débouchure du canal d'écoulement, aujourd’hui condamnée. Sur le mur les traces décolorées indiquent le niveau normal des eaux usées. La voûte de brique du couloir de service est un chef d'œuvre de la maçonnerie et reste, malgré son utilisation pendant des décennies, en parfait état.

Au rez-de-chaussée du bâtiment de service se trouvaient le bureau de l'ingénieur-chef, le laboratoire ainsi que les locaux sanitaires et de repos du personnel. Les douches existent toujours. A l'étage supérieur se trouvait l'appartement de fonction du contremaître. (Photo prise vers 1908)

L'ancienne salle des pompes de crue avec des sculptures crées par M. Krenkel. Le bâtiment d'aspect sacral de 1908 abrite deux des trois pompes centrifuge fournies par la société Bopp & Reuter, qui pressaient les eaux traitées dans le Rhin quand la crue empêchait leur écoulement normal.