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Flugplatz Mannheim

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Flugplatz Neuostheim (alter Tower) Aufnahme 2011
Flugplatz Neuostheim (alter Tower, Rückseite)
Flugplatz, Empfangshalle von 1936 (linker Flügel kriegsversehrt)
Flughafen, Hangar (Foto 2011)
Flugplatz Neuostheim, Hangar 2011.jpg
Flugplatz Neuostheim, Flugfeld 2011
Flugplatz Neuostheim, neuer Tower 2011
Flugplatz Neuostheim, neuer Tower 2011
Flugpplatz Neuostheim, neuer Tower mit Abfertigungshalle 2011
Flughafen, Abfertigungshalle (Foto 2011)
Flugplatz Neuostheim, Gepäckband 2011
Flugplatz Lufbild 1958, rechts die Autobahn Mannheim-Heidelberg. Der Rhein-Neckar-Schellweg ist noch nicht gebaut (Foto: Stadtarchiv Mannheim)
Modell für ein Empfangsgebäude 1928 (Städt. Hochbauamt Mannheim)
Flugplatz mit dem ersten Empfangsgebäude, Aufnahme um 1935 (Foto: Stadtarchiv Mannheim)
Empfangsgebäude um 1930
Wartehalle ca. 1930
Flugplatz mit neuem Terminal um 1938 (Foto: Stadtarchiv Mannheim)
Flugplatz, Hangar um 1930 (Foto: Stadtarchiv Mannheim)
Flugplatz, Hangar 1934 (Foto: Stadtarchiv Mannheim)
Flugplatz Terminal im Bau 1938 (Foto: Stadtarchiv Mannheim)
Flugplatz um 1960 (Foto: Stadtarchiv Mannheim)
Mannheim, Neuostheim, ehem. Luftwaffenkaserne (Foto: 2008)
Mannheim, Neuostheim, ehem. Luftwaffenkaserne (Foto: 2008)
Flugplatz, Denkmal für die Verunglückten des Hubschrauberabsturzes 1982 (Foto 2011)
Flugplatz, Denkmal für die Verunglückten des Hubschrauberabsturzes 1982 (Foto 2011)

Der Flugplatz wurden Mitte der Zwanziger Jahre auf freiem Feld südlich des sich gleichzeitig entwickelnden Stadtteils Neuostheim angelegt. Von den historischen Gebäuden steht heute nur noch das Empfangsgebäude aus dem Jahre 1936, das nach Plänen des städtischen Hochbauamts unter Leitung von Josef Zizler (1881-1955) entstanden ist. Der von Zerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg stark gezeichnete Tower wurde nach langem Dornröschenschlaf erst 1968 wieder aufgebaut. 1993 erhielten die Fassaden den heutigen blauen Anstrich und den Schriftzug, der reliefierte Buchstaben ersetzte. Der dreigeschossige Mittelteil, in dem die Polizeidienststelle untergebracht ist, wurde ursprünglich von zweigeschossigen Flügelanbauten flankiert. Heute ist nur noch der östliche Flügel erhalten, der seit 1993 das Restaurant Lindbergh beherbergt. Auf dem Mittelteil ragt die ehemalige gläserne Flugleitkanzel heraus.

Das vorkriegszeitliche Verwaltungs- und Abfertigungsgebäude wurde 1998 durch einen über 100 m langen zweigeschossigen Komplex mit einem Außenmauerwerk aus Kalksandstein ersetzt. Auch dieses Gebäude überragt in der Mitte eine gläserne Flugleitkanzel. Das östlich angrenzende Parkhaus wurde 2002 eröffnet. Darüber hinaus befinden sich auf dem Areal mehrere Flugzeughallen sowie weitere Funktionsgebäude für den Luftverkehr.

Nutzung (ursprünglich): 

Flugplatz

Nutzung (derzeit): 

Flugplatz (City Airport)

Geschichte: 

Den industriekulturellen Bezug erhält der Flugplatz Mannheim durch den Ursprung der luftfahrtgeschichtlichen Entwicklung Mannheims. Der Industrielle Karl Lanz (1873-1921) investierte zusammen mit dem Konstrukteur Johann Schütte (1873-1940) Kapital in den Aufbau einer Produktion von Luftschiffen in Mannheim-Rheinau (heute Gemarkung Brühl) und Mannheim-Sandhofen, die aber aufgrund hoheitlicher Einschränkungen des Versailler Vertrags nach dem Ersten Weltkrieg eingestellt werden musste. Die hilfsweise aufgenommenen Aktivitäten im Bereich der Segelfliegerei und Raketenentwicklung mündeten 1921 in der Gründung des Badisch Pfälzischen Luftfahrtvereins, dem auch sogleich der Mannheimer Raketenpionier Julius Hatry (1906-2000) beitrat. Als Vierteljude behinderten die Nationalsozialisten nach 1933 den Maschinenbauingenieur, sich weiterhin der Raketenentwicklung zu widmen.

Mit der Gründung der Badisch-Pfälzischen Luftfahrt AG Mannheim 1925 und der Fusion dieser mit der Badischen Luftverkehr AG Karlsruhe zur Badisch-Pfälzischen Lufthansa AG erfolgte ein Jahr später die Verlagung des Flugverkehrs von Mannheim-Sandhofen zum Flugplatz Mannheim-Heidelberg-Ludwigshafen in Mannheim-Neuostheim. Der Flugverkehr nahm auch unter der NS-Herrschaft weiter Auftrieb und im Jahre 1934 landete das damals größte deutsche Flugzeug, die Junkers G 38 in Neuostheim. Von der westlich des Rollfeldes im Jahre 1936 errichteten Luftwaffenkaserne (Fliegerhorstkommandantur) steht heute noch das Mannschaftsgebäude. Im selben Jahr wird auch das Flugabfertigungs- und Verwaltungsgebäude in Betrieb genommen. Bis 1945 wurden die Städte Baden-Baden, Dortmund, Frankfurt, Hamburg, Konstanz, Kopenhagen, München, Villingen, Zürich, Halle, Lörrach, Berlin, Saarbrücken, Stuttgart mit kriegsbedingten Unterbrechungen angeflogen. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der Flugplatz die zivile Luftfahrt wieder auf. Im Jahre 1953 veranstaltete der Badisch-Pfälzische Luftfahrtverein seinen ersten Flugtag nach dem Krieg. Der 11. September 1982 geht jedoch als schwarzer Tag in die Luftfahrtgeschichte ein. Bei den Internationalen Luftschiffertagen aus Anlass des 375jährigen Stadtjubiläums kamen bei einem Hubschrauberabsturz alle 46 Insassen ums Leben. Am Unglückstag ein Jahr später enthüllte Oberbürgermeister Gerhard Widder das von dem britischen Künstler Michael Sandle gestaltete Denkmal mit den Namen der Verunglückten. Im Jahre 1984 etablitierte sich eine Flugverbindung nach München.

Um dem Verkehrsanstieg Rechnung zu tragen, verlängerte man die Start- und Landebahn 1993 von 1000 m auf 1180 m. Drei Jahre später verlängerte der Gemeinderat mit einem Beschluss den Pacht- und Erbbauvertrag über das Flugplatzgelände bis zum Jahr 2046. Baulicher Ausdruck der weitreichenden Zukunftspläne ist das von dem Mannheimer Architekten Peter Serini (geb. 1935) entworfene und am 3. Juli 1998 eröffnete neue Abfertigungs- und Verwaltungsgebäude. Ende 2001 wurde auf dem Flugplatz eine eigene Polizeidienststelle eingerichtet. Zu Beginn des neuen Jahrtausends verzeichnete der Flugplatz ca. 58.000 Starts und Landungen und ca. 190.000 Fluggäste pro Jahr. Bis zum Jahr 2011 ist die Zahl der Fluggäste auf 120.000 sowie die Starts und Landungen auf ca. 48.000 zurückgegangen. Am 22.12.2011 stellte die Saarbrücker Cirrus Air die Linienflüge von und nach Berlin ein und zog sich aus Mannheim zurück. Damit kam auf dem Mannheimer City Airport das Aus für den Linienverkehr, der zuletzt einen Anteil von ca. einem Drittel der Fluggäste hatte. Infolge neuer Luftfahrtbestimmungen auf europäischer Ebene ist die Zukunft des Neuostheimer Flugplatzes ungewiss. Insbesondere die Länge der Start- und Landebahn wird den Vorgaben des europäischen Parlaments nicht gerecht. Das Flugfeld ist eng begrenzt durch die Autobahn im Süden, den Rhein-Neckar-Schnellweg im Osten sowie die Bebauung im Norden und Westen. Eine Vergrößerung des Flugplatzes könnte nur mit großem finanziellen Aufwand (z.B. Untertunnelung der Autostraßen) gestemmt werden. Alternativ wird deshalb die Verlegung des Flughafens in den Mannheimer Norden auf das Gelände der ehemaligen Coleman Barracks in Sandhofen, das die US Armee in den nächsten Jahren freigemacht, überlegt.

Eigentümer: 
ab 1938 Stadt Mannheim; aktuell Rhein-Neckar-Flugplatz GmbH als städtische Tochter
Erbauer: 
Badisch-Pfälzische Lufthansa AG
Architekt: 
Hochbauamt der Stadt Mannheim (Leitung: Josef Zizler); Erweiterungsbau 1997-98 durch Peter Serini
Bauzeit / Umbauten: 
Eröffnung 6. Juni 1926; Inbetriebnahme eines neuen Flugabfertigungs- und Verwaltungsgebäudes am 1. November 1936; Erweiterung mit einem zusätzlichen Abfertigungs- und Verwaltungsgebäudes seit 3. Juli 1998
Quellen: 
  • Josef Zizler: Mannheim. Neue Stadtbaukunst, Berlin 1928, S. XIX-XX
  • Die lebendige Stadt, 2. Jg., 1930-31, S. 196
  • Andreas Schenk: Bauten für den Luftverkehr, in: Mannheim und seine Bauten 1907-2007, Bd. 4, Mannheim 2004, S. 52-53
  • Der Brockhaus "Mannheim", Mannheim 2006, S. 97-98
  • Homepage der Rhein-Neckar-Flugplatz GmbH
  • Stadtarchiv Mannheim, ZGS S 2/297 Mannheimer Morgen 24.12.2011
Autor/in: 
Monika Ryll