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Museumsschiff – Seitenraddampfer an der Kurpfalzbrücke

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Radkasten und Passagierdecks, das Polizeiboot im Hintergrund
Kommandobrücke und Schornstein
historische Tauchausrüstung
Ausflügler an Deck
Maschinist
Kurbelwelle der Dampfmaschine
Maschinentelegraf oben, überträgt die Signale in den Maschinenraum
Schaufelrad: Achse und Speichen
Museumsschiff mit der Jungbuschbrücke
LTA-Polizeiboot am Museumsschiff

Das Museumsschiff ist ab 1.12.2018 vorübergehend auf der Werft und deshalb nicht zu besichtigen.

Der historische Seitenraddampfer von 1929, einst prachtvolles Ausflugsschiff auf dem Rhein und für 2.500 Passagiere ausgelegt, ist nicht nur das größte Ausstellungsstück des TECHNOSEUMS, sondern auch Ausstellungsort. Der Rundgang durch das Schiff ist eine Reise durch die Geschichte der Binnenschifffahrt, man erfährt außerdem Wissenswertes zur Bergungstaucherei, zur Geschichte der Schifferkinderheime und zur Seelsorge auf dem Wasser.

Bei Führungen kann man im Kessel- und Maschinenraum die Dampfmaschine und die Schaufelräder in Aktion erleben. Ein Blick in die Schiffsküche zeigt die beengten Platzverhältnisse, die selbst auf einem luxuriösen Ausflugsdampfer herrschten. Auf engstem Raum wurde für bis zu 2.500 Passagiere gekocht. Die zweizylindrige Verbund-Dampfmaschine ist ein Highlight des Museumsschiffs. Als später Vertreter der Dampfschiffe besitzt die Maschine schon Merkmale des konkurrierenden Antriebs: Eine Ventilsteuerung regelt den Zutritt und Austritt des Dampfes. Zur Antriebsanlage im Mittelteil des Schiffes gehören zwei Flammrohrkessel, die zunächst mit Kohle, nach dem Umbau in den fünfziger Jahren mit Schweröl befeuert wurden. Sie erzeugen den benötigten Heißdampf. Dieser treibt die exzentergesteuerten Schaufelräder an und liefert zugleich die Energie für den Servomotor der Ruderanlage, für die Pumpen und für einige große Kessel in der Küche. Sogar die Generatoren zur Stromversorgung sind dampfbetrieben. Erst spät baute man einen Dieselmotor-Generator ein, der auch bei kalten Kesseln Strom erzeugte.

Technische Daten des "Museumsschiffes Mannheim" Länge über alles: 83,62 m Breite auf Spanten: 8,70 m Breite über Radkasten: 16,20 m Seitenhöhe des Rumpfes: 2,95 m Tiefgang betriebsfertig: 1,05 m Leistung der Heißdampfverbundmaschine: 900 PS/660 KW Dampfdruck 12 at/1,18 MPa durchschnittliche Geschwindigkeit: 18 km/h zu Berg, 23 km/h zu Tal Passagierkapazität: maximal 2500 Personen

Darüber hinaus laden zahlreiche Versuchstationen insbesondere Kinder und Jugendliche ein, den Naturraum Neckar zu entdecken. Am Museumsschiff ist ein historisches Polizeiboot vertäut, ein weiteres Exponat des Landesmuseums.

Auf dem Museumsschiff befindet sich ein großzügiges Restaurant mit wunderbarem Ausblick auf den Neckar, die Kurpfalzbrücke und die Neckarstadt.

Nutzung (ursprünglich): 

Luxuriöser Ausflugsdampfer, zeitweise Wohnschiff

Nutzung (derzeit): 

Museum, Ausstellungen, Forschungs- und Spielangebote für Jugendliche,

Müllers Restaurant: geöffnet So. - Do. 11 - 01 Uhr, Fr. - Sa. 11 - 02 Uhr

Geschichte: 

Geschichte des Schiffes: 1929 läuft der prachtvolle Ausflugsdampfer vom Stapel. Auftraggeber war die Köln-Düsseldorfer Rheindampfschiffahrt. Getauft auf den Namen „Mainz“, ist er der tausendste Neubau der Mainzer Werft Christoph Ruthof – nostaglisch und gleichzeitig zweckmäßig ausgerüstet mit Dampfmaschine und Schaufelrädern, denn Raddampfer können bei extrem niedrigem Wasserstand fahren.

Bis zum Zweiten Weltkrieg kann er mit den Diesel-Schraubenschiffen konkurrieren; die „Mainz“ ist eines der schnellsten Schiffe, die den Rhein befahren. Der Luxus an Bord wird eingeschränkt, als das Schiff für die NS-Organisation „Kraft durch Freude“ fährt. Es übersteht als eines der wenigen Passagierschiffe unbeschadet Bomben- und Tiefflieger, umgeht den Befehl zur Selbstversenkung und kann, nach einem Zwischenspiel als Wohnschiff, bald wieder im Ausflugsverkehr eingesetzt werden.

1956 kollidiert der beliebte Ausflugsdampfe am Deutschen Eck bei Koblenz mit einem Motorschiff, das von einem Schiffsjungen ohne gültiges Patent gesteuert wurde. Das Schiff sinkt, wird anschließend gehoben und grundlegend modernisiert.

Nach der letzten fahrplanmäßigen Fahrt 1980 initiiert die „Gesellschaft zur Förderung des Deutschen Rheinschifffahrtsmuseums in Mannheim e.V.“ eine grundlegende Überholung des etwas heruntergekommenen Schiffs, die vom Landesmuseum für Technik und Arbeit (heute TECHNOSEUM) finanziert wird. Die Schiffswerft J. Braun KG in Speyer restauriert den Dampfer. Seit 1986 informiert das Museumsschiff über die Geschichte der Binnenschifffahrt und zeigt Wechselausstellungen.

Ausstellung zur Geschichte der Binnenschiffahrt: Die Ausstellung zeigt den tiefgreifenden wirtschaftlichen, sozialen und technischen Wandel der Flussschifffahrt im Industrialisierungsprozess. 1868 hatte die „Mannheimer Rheinschifffahrtsakte“ durch den Fall der Zölle und Abgaben die Gewerbefreiheit auf den Rhein gebracht. Das Umschlagrecht wurde aufgehoben, die Schifferzünfte wurden abgeschafft.

Parallel zum technischen Fortschritt – Dampfantrieb und eiserne Schiffe dominieren nun – wandelt sich die Rheinschifffahrt auch organisatorisch. Die Partikuliere, selbstständige Schiffer, schließen sich zu Schiffergilden zusammen, weil ihnen die Reedereien und bald auch Schiffe von Montanfirmen Konkurrenz machen. Der Wandel geht auch zwischen den Weltkriegen weiter: Hatten bislang Dampfschlepper unmotorisierte „Anhangkähne“ gezogen, so baute man in den 1920er und 1930er Jahren Dieselmotoren ein.

Nach 1950 machten „Selbstfahrer“ den Großteil der Rheinflotte aus. In den letzten Jahrzehnten kamen noch Schubschiffe hinzu, die unmotorisierte „Prähme“ verschieben. Die Partikuliere haben sich am Markt behauptet und sind bis heute ein fester Bestandteil der Binnenschifffahrt auf dem Rhein.

Eigentümer: 
TECHNOSEUM in Mannheim
Erbauer: 
Werft Christoph Ruthof, Mainz-Kastel
Bauzeit / Umbauten: 
1929, 1956, 1986
Quellen: 

Informationsbroschüre des Landesmuseums für Technik und Arbeit. Fotos vom TECHNOSEUM

Autor/in: 
Barbara Ritter / TECHNOSEUM