Sie zeigt, was frau so drunter trug

RheinNeckarZeitung Online

„Lachsfarben” war bei weiblicher Unterwäsche in den fünfziger Jahren der letzte Schrei. Der ertönte aus Frauenmund jetzt auch mehr als nur einmal im Museum der Stadt angesichts der in Glasvitrinen ausge­stellten „Panzer”, die vor noch nicht allzu langer Zeit die Körper der Damen einschnürten und umhüllten. (keke)

Barbara Ritter vom Verein „Rhein-Neckar-Industriekultur” und Claudia Buggle vom Museum wagten zum Firmenjubiläum der Miederwarenfabrik „Felina” einen Blick und zeigten, was „frau” so alles drunter trug. Foto: Dorn

Zum 125. Geburtstag der Mannheimer Mieder­warenfabrik „Felina” hat Museumsleiterin Claudia Buggle mit Unterstützung der Vorsitzenden des Vereins „Rhein-Neckar-Industriekultur”, Barbara Ritter, eine Ausstellung zusammengetragen, die „im Dienste der schöneren weiblichen Figur” noch bis zum 18. Dezember all das zur Schau stellt, was die Damenwelt seit eineinviertel Jahrhunderten „darunter” trägt.

„Heiße Fotos” an den Wänden des Treppenaufgangs zur oberen Etage stimmen auf das ein, was den Besucher dort erwartet: Die Geschichte von Korsage und Korsett, Corselet und Hüftgürtel, Damen-Unterwäsche und Büstenhalter. Letzterer von Claudia Buggle als ein „Wäschestück” definiert, das „die weibliche Brust gegen die Schwerkraft stützen, formen und dekorieren” soll. Was „Felina” bis heute gelingt. Das 1885 von Eugen Herbst in Rappenau als Korsettnäherei gegründete und fünf Jahre später als Korsettmanufaktur nach Mannheim umgezogene Traditionsunternehmen hat den BH zwar nicht erfunden, aber bereits 1914 seinen ersten Trikot-Büstenhalter unter dem Namen „Felina” („Kätzchen”) angemeldet.

Wenig später erregte Felina als Vorreiter mit dem „atmenden Büstenhalter” und „BH mit elastischen Trägern” ebenso Aufsehen wie 1968 mit der leichtbekleideten Uschi Glas. Als Werbeikone offenbarte die Schauspielerin einem Millionenpublikum im Felina-BH frivol „Uschis Schätzchen”.

Neben den „Lachs-Schnitten” im Stadtmuseum machen Dutzende von Zeichnungen der Werbegrafikerin Edith Lindenmeier Appetit. Durch Zufall wurden die in Aktenordnern abgehefteten Originale auf einem Dachboden entdeckt. Doch die Ausstellung zeigt noch mehr: Fotografien aus dem in der Mannheimer Neckarstadt gelegenen Werk von damals und heute ebenso wie Felina-Anzeigen aus 125 Jahren Firmengeschichte. 1893 wurde dem Unternehmen eine Kartonagenfabrik angegliedert. 1907 kam eine Metallwarenfabrik zur Herstellung der Hakenbänder, Schließen und Stäbchen hinzu. In seiner Glanzeit zählte das Unternehmen mehr als 2500 Beschäftigte. 90 Prozent der Belegschaft bestand aus Frauen. Barbara Ritter: „Felina wurde zum Vorreiter für Frauenarbeit in Mannheim”.

1944 wurden die Fabrikanlagen durch einen Bombenangriff fast vollständig vernichtet. Doch der Wiederaufbau gelang. Mehr als 250 Felina-Produkte werden heute weltweit in 60 Ländern vertrieben, in der Produktion Monat für Monat rund 25 Tonnen Metall in Stäbe, Spiralen, Beschläge, Verschlüsse und Haken verwandelt. In den 1970er Jahren erklomm Felina Rang zwei im deutschen Miedermarkt - und wurde 1982 von einer Schweizer Investorengruppe übernommen. Mannheim ist bis heute operative Zentrale geblieben. Produziert wird allerdings ausschließlich in osteuropäischen Ländern.