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Landschaftspark von Gienanth und Herrenhaus, Eisenberg

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Ein zeitgenössisches Gemälde des Werks mit See und Park (Quelle: landschaftspark-von-gienanth.de/historie)
Herrenhaus, im Hintergrund das Verwaltungsgebäude
Herrenhaus vom See aus gesehen
Holztür zum Wohnhaus des Vorbeitzers Franz Didier aus dem Jahr 1784
Herrenhaus und Hofgebäude vom Park aus gesehen
Die Mauer mit Schlacke als Verzierung umgibt den ganzen Park
Ein Turm auf dem Werk vom Park aus gesehen
Die Orangerie ist schon stark vom Verfall betroffen
Die Orangerie beherbergte eine Skulpturensammlung (Jetzt im Museum in Kaiserslautern)
das Gärtnerhaus im Park ist gut erhalten
Stauwehr am See
Das Gewächshaus mit gusseisernen Verzierungen auf dem First, mit dem kleinen Gemüsegarten
Herrenhaus vom Werkshof aus gesehen; Schmiedeeisernes Gitter vermutlich aus eigener Produktion
Gusseiserne Öfen gehörten bis vor 50 Jahren zu den Produkten des Werkes
Blick aufs Mausoleum.jpg
Orangerie von der Seite.jpg
Orangerie.jpg

Die eindrucksvolle Gesamtanlage aus modernem Metallbetrieb, klassizistischem Herrenhaus, Hammerweiher und Landschaftspark ist ein erhaltenswertes Zeugnis der frühindustriellen Entwicklung in der Pfalz. Die imposante Gießerei erstreckt sich im engen Tal, zunächst mit vielen modernen Gebäudekomplexen. Je weiter man sich von der Gemeinde Eisenberg Richtung Ramsen entfernt, umso älter werden die Gebäude, bis man schließlich das 1882 errichtete Verwaltungsgebäude erreicht, an das sich das in altrosa gestrichene Herrenhaus mit Hofgebäude anschließt.

Von der Straße abgewandt rund um einen Platz vor dem inzwischen verlandeten Weiher liegt das Herrenhaus, ehemalige Remisen (heute Garagen) und Verwaltungsgebäude, entlang des Sees zieht sich eine gusseiserne Balustrade am Damm und ein Gebäudetrakt mit ehemaligen Arbeiterwohnhäusern (gebaut im Jahre 1811 oder 1818, heute unbewohnt). Von der im Weiher angelegten Schwaneninsel mit Pavillon ist nichts mehr erkennbar. Das gusseiserne Stauwehr existiert noch ist aber unbeweglich. Der See wurde seit Jahrzehnten nicht mehr abgelassen.

Der inzwischen verwilderte Landschaftspark schmiegt sich rechts der Straße gegenüber dem Verwaltungsgebäude und dem Herrenhaus an den steilen Hang. Wege führen steil bergauf zur Orangerie und dem Mausoleum. Die Sichtachsen - soweit sie freigelegt sind - sind auf die Anlagen im Tal bezogen. Der Förderverein erweckt den Park alljährlich aus seinem Dornröschenschlaf. Beim Spaziergang durch den nur scheinbar natürlichen Park kann man mit fachkundiger Erläuterung den ursprünglichen Plan erkennen.

Der Weg führt am mehrfach umgebauten Gärtnerhaus (ursprünglich 1833, Schweizer Stil) mit gläsernem Gewächshaus vorbei zum moderneren Bungalow und in geschwungenen Wegen nach oben zum Mausoleum, der Grabstätte der Familie Gienanth, die 1912 in der Form eines griechischen Tempels errichtet wurde. An der höchsten Stelle des Gartens liegt die 1835 erbaute Orangerie mit einem Brunnen davor. Im Winter diente sie zum Schutz empfindlicher Pflanzen und im Sommer gesellschaftlichen Veranstaltungen. Unter den diagonal verlegten Steinquadern am Boden befand sich eine Fußbodenheizung. Bis 1966 standen und hingen dort noch die originalen Statuen und Büsten, die Friedrich Gienanth in Paris und Rom gesammelt hatte (heute in der Pfalzgallerie Kaiserslautern).

Der gesamte Park ist von einer massiven Umfassungsmauer umgeben, dessen schwarze amorphe Zinnen aus Eisenschlacke aus dem Werk bestehen Der Landschaftsgarten bietet gemeinsam mit dem Herrenhaus ein eindrückliches Bild der repräsentativen Wohn- und Lebensvorstellungen in der Zeit zwischen Romantik und Biedermeier.

Nutzung (ursprünglich): 

Eisengusswerk Herrenhaus: Wohnhaus des Besitzers Park: Privater Park, Grabstätte, Repräsentationsfläche, später auch Privatvilla des Besitzers

Nutzung (derzeit): 

Eisengusswerk Herrenhaus: Verwaltung des Werks Park: privat. Der Föderverein bemüht sich daraum, den Park häufiger öffentlich zugänglich zu machen.

Geschichte: 

Nach Angaben der Firma schaut das Werk auf mehr als 250 Jahre Gießereigeschichte zurück. Die Gienanths wanderten 1656 als Schmiede in die Pfalz ein, wurden dann zu Hüttenmeistern und pachteten bzw. kauften im 18. Jahrhundert in der Pfalz viele Hammerwerke und Gruben. 1753 pachtete Johann Jakob Gienanth das wasserbetrieben Hammer-Werk in der Nähe von Eisenberg, das 1735 durch Graf Carl August von Nassau-Weilburg gegründet worden war. Zwischenzeitlich hatte das Werk Franz Didier erworben. Sichtbar ist noch eine Haustür mit dessen Inititalen und der Jahreszahl 1784 gegenüber dem Herrenhaus.

1800 kaufte es Ludwig Gienanth und wurde zum größten Arbeitgeber in der Pfalz. Sein Sohn Friedrich übernahm das Werk, plante und erbaute 1829 das klassizistische Herrenhaus, das mit seinen pompejanischen Deckengemälden und Tapeten beeindruckte. Es verfügt im Westteil über eine Moschee, die 1902 als orientalisch ausgeschmückter Saal eingebaut wurde und in den 1960er Jahren tatsächlich als Andachsraum für Teile der Belegschaft genutzt wurde.

Friedrich Gienanth ließ den einfachen, funktionalen Stausee vergrößern und im Stil der englischen Landschaftsparks mit einer Insel und Pavillon versehen. Mit dem Aushub des Sees legte er einen Park am gegenüberliegenden Hang an, den er von dem renommierten Gartenarchitekt und Heidelberger Gartenbaudirektor Johann Ludwig Metzger gestalten ließ. 1830 folgten die klassizistischen Bauten im Park.1877 setzte der königlich-preußische Gartenbaudirektor Heinrich Siesmayer aus Frankfurt die Gestaltung des Parks fort.

1857 baute das Werk eine Betriebskrankenkasse auf. 1882 wurde das repräsentative Verwaltungsgebäude errichtet. Zu den heute noch existierenden Produkten von damals gehörten Eisenöfen und z.B. die Eisenträger im Keller der alten Brauerein in Mannheim. Es existiert darüberhinaus eine Sammlung von gusseisernen Ofenplatten, die gelegentlich in der Stadtverwaltung von Eisenberg ausgestellt werden.

Auf vielen Stichen und Gemälden ist das Ensemble von Werk, Herrenhaus, Weiher und Park zu sehen. Auch Fotos aus den 1960er Jahren zeigen die Anlage noch unverändert. Danach wurde der Hammerweiher jedoch nicht mehr abgelassen und ist nun fast ganz verlandet. Im Park kam es in den 1970er Jahren zu Vandalismus, die Organgerie und der Brunnen wurden zerstört und danach nicht mehr aufgebaut. Der Park ist verwildert, die Gebäude bis auf die beiden Häuser (Villa und Gärnterhaus) sind fast nur noch Ruinen. Ein Förderverein bemüht sich um die Wiederherstellung der Anlage.

Eigentümer: 
Werk, Herrnhaus (Verwaltung), Arbeiterhäuser und Weiher: Fa. Gienanth-Eisenberg GmbH, Park: Privatbesitz
Erbauer: 
Familie Gienanth
Architekt: 
Herrenhaus, vermutlich nach Plänen von Friedrich Gienanth, Park: Johann Ludwig Metzger
Bauzeit / Umbauten: 
Herrenhaus und Park 1829/30, nur das Herrenhaus steht unter Denkmalschutz
Schäden: 

Der Park und dessen Bauten sind stark vom Zerfall geprägt. Der See ist weitgehend verlandet. Die Arbeiterhäuser sind ebenfalls eher unbewohnbar.

Quellen: 
  • Besuch und Führung durch den Park im April 2008
  • Festschrift: 250 Jahre Eisenwerk Eisenberg, Ulrich Freiherr von Gienanth,
  • Die Eisengießerfamilie Gienanth in Eisenberg, in: Praxis Geschichte Heft 5, 1992
Autor/in: 
Barbara Ritter
Kontakt: 

Park: Dr. Marion von Gienanth

Fax: 06351-125613

info@eisenbergpark.de

Stella Junker-Mielke (Vorsitzende des Föerdervereins)

Tel./Fax 06241-57184

gartendenkmal@freenet.de

Werk: Tel: 06351 408-0

Fax: 06351 408-101

E-Mail: info@gienanth.com

Zufahrt: 

Nächste VRN-Haltestelle: Eisenberg (Palz) Gienanth,

VRN-Fahrplanauskunft

Öffnungszeiten: 

Der Park wird ca. 1 mal im Jahr öffentlich zugänglich gemacht (z.B. zum „Bärlauchfest“ oder Tag des offenen Denkmals). Es finden dann Führungen und Spezialitätenverkauf statt. Führungen durch das Herrenhaus sind eingeschränkt und auf Anfrage möglich.

Denkmalschutz: 
Nein
Barrierefrei: 
Nein