Carl-Benz-Haus in Ladenburg

Für die ersten Automobile hatten die Landstraßen von Mannheim über Ladenburg Richtung Bergstraße, Heidelberg und ins Neckartal eine besondere Funktion. Hier waren wahrscheinlich die ersten Dauerfahrt-Teststrecken für die Konstruktionen von Carl Benz. Auf ihrer mutigen Fahrt nach Pforzheim, der ersten Automobil-Fernfahrt überhaupt, kam Bertha Benz 1888 an dieser Stelle in Ladenburg vorbei. Ein räumlicher Abstand zu den wachsenden Benz-Fabriken in Mannheim war Carl Benz vermutlich recht. So gründete er in Ladenburg als neues eigenes unabhängiges Unternehmen die Firma C.Benz Söhne und siedelte mit seiner Familie hierher. Für ein angemessenes Wohnhaus sorgte wahrscheinlich Bertha Benz.

Mit dem markanten Spitzgiebel zur Straße und den Treppengiebeln nach Nord und Süd beeindruckt das freistehende Haus an markanter Stelle nahe den alten Stadtmauern. Große mit rotem Sandstein gefasste Fenster haben straßenseits aufwendige Ziergitter. Hinter dem Haus steht die außergewöhnliche Garage von Carl Benz in einem Park, der mit dem nahen Neckarufer verbindet.

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Nutzung (ursprünglich)

Wohnhaus

Nutzung (derzeit)

Büro und Ausstellung

Geschichte

Nicht weit vom Neckar stand außerhalb der Stadtmauern der Bauernhof von Ignaz und Georg Vogel. 1877/78 errichtete der Heidelberger Christian Friedrich Leonhard, Brauereidirektor der Oberndorffschen Brauerei / ab 1899 Edinger Aktienbrauerei ein dreistöckiges Wohnhaus an der Straße. Das dahinter liegende Gelände wurde zum Park, wo noch Reste vom alten Bauernhof stehen blieben.

Bertha Benz (1849-1944), die Ehefrau von Carl Benz (1844-1929), kaufte 1905 von der Ehefrau des Brauereidirektors das Anwesen. An der Nordseite wurde eine Veranda mit Flachdach angebaut. An der Südseite entstand 1905/06 ein zweistöckiger Anbau mit Flachdach und Außentreppe in den Park. Die Nutzfläche des Hauses wurde so um ein Drittel erweitert. Im alten Bestand wurde zur Straße hin eine Dachgaube zum spitzen Ziergiebel umgebaut. So entstand ein ansehnliches Wohnhaus. 1921 wurde anstelle des Flachdachs ein Steildach mit Treppengiebel und ausgebautem Dachgeschoss wie auf der Nordseite hergestellt.

Das Untergeschoß war und ist zugleich Gartengeschoß. Es ist vom Park an der Rückseite des Hauses ebenerdig im Bereich des Anbaus von 1905 zu betreten. Dort geht es über eine Treppe in das tieferliegende Niveau des ursprünglichen Wohnhauses von 1877/78.

Nach dem Auszug der letzten Bewohner der Familie Benz erwarb 1969 die Stadt Ladenburg das Anwesen. Das Haus wurde als Gaststätte und Sportlerheim genutzt. 1985 kaufte die Daimler-Benz AG Gebäude sowie Gelände und sanierte grundlegend. Heute wird das Gebäude für Seminare und Fortbildungen des Konzerns genutzt. Im Erdgeschoss ist die Geschäftsstelle der 1986 anlässlich des 100jährigen Jubiläums der Patentschrift des ersten Automobils gegründete Daimler und Benz Stiftung untergebracht.

Quellen:
  • Lessing, Hans-Erhard: Mannheimer Pioniere S.77-90, Mannheim 2007
  • Ausstellung im Carl-Benz-Haus Ladenburg März 2011
  • Ausstellung im Archiv des Rhein-Neckar-Kreises in Ladenburg April 2011
  • Kreutz, Dr. Jörg, Kreisarchiv Rhein-Neckar-Kreis: mündliche Mitteilungen, Pläne 1905/1906 und 1910
  • Blänsdorf, Lore, Fotoarchiv Historische Bilder von Ladenburg: Fotos
Eigentümer
Daimler AG
Erbauer
Christian Friedrich Leonhard, ab 1905 Bertha Benz
Architekt
ab 1905 Joseph Battenstein, Mannheim
Bauzeit / Umbauten
1877/78 erstes Wohnhaus, Umbauten u.a. 1905/06 und 1921
Autor*in
Jürgen Herrmann
Objektnummer
152
Adresse
Dr.-Carl-Benz-Platz 2
68526 Ladenburg
Geo
49.47084, 8.60649
Kontakt

Daimler und Benz Stiftung
Geschäftsstelle
Dr.-Carl-Benz-Platz 2
68526 Ladenburg
Tel.: 06203 1092-0
E-Mail: info@daimler-benz-stiftung.de

Zufahrt

Nächste VRN-Haltestelle: Ladenburg, Carl-Benz-Platz
VRN-Fahrplanauskunft

Öffnungszeiten
  • Ausstellung im Untergeschoß über den rückseitigen Eingang im Gartengeschoss: Sonntags 14:30–17:30 Uhr
    seit 22.11.2022 geschlossen
  • Informationsauslage in der nordseitigen Veranda im Erdgeschoß
  • Büro der Stiftung ohne Öffnungszeiten
Denkmalschutz
Ja
Barrierefrei
Teilweise
Teil der Ausstellung im Untergeschoß ebenerdig vom Garten aus