Ehem. „Badische Peitschen- und Riemenfabrik Scherer, Hillengaß und Klempp" in Aglasterhausen

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Kleine Odenwald zum Zentrum der badischen Peitschenindustrie. Im Laufe der Jahre gab es acht Unternehmen, die sich in Aglasterhausen, Michelbach, Neunkirchen und Unterschwarzach der Herstellung von Peitschen und Riemen widmeten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Peitschen aus Nordbaden in das gesamte Deutsche Reich, aber auch nach Übersee geliefert. Die Erzeugnisse aller Fabriken zusammen belief sich auf mehrere hunderttausend Stück im Jahr. Zwei Betriebe in Unterschwarzach produzieren auch heute noch. In Aglasterhausen erinnert dagegen das Fabrikgebäude der Firma „Scherer, Hillengaß und Klempp“ an diesen Abschnitt der lokalen Industriegeschichte.

Nutzung (ursprünglich)

Produktionsstätte einer Peitschen- und Riemenfabrik

Nutzung (derzeit)

Unterschiedliche gewerbliche Nutzung. Im ehemaligen Bürogebäude befindet sich u. a. eine Arztpraxis.

Geschichte

Die erste Peitschenfabrik in Aglasterhausen wurde zu Beginn der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Georg Michael Weidenhammer gegründet. Er hatte einige Jahre in den Vereinigten Staaten gelebt und dort Kenntnisse in der Peitschenherstellung erworben. Nachdem der Betrieb in Konkurs gegangen war, riefen ehemalige Mitarbeiter von Weidenhammer 1895 die „Badische Peitschen- und Riemenfabrik Scherer, Hillengaß und Klempp“ ins Leben. Drei Jahre später konnte ein neues Fabrikgebäude in der heutigen Bahnhofstraße bezog werden. Der Teilhaber Hillengaß schied bereits vor dem Ersten Weltkrieg aus dem Unternehmen aus. Seine beiden Partner führten die Firma unter dem Namen „Badische Peitschen- und Riemenfabrik Scherer & Klempp“ fort. Der Betrieb überlebte noch den Zweiten Weltkrieg, stellte seine Produktion aber 1953 ein.

Erbauer
Badische Peitschen- und Riemenfabrik Scherer, Hillengaß und Klempp
Bauzeit / Umbauten
1898
Baubestand

Eine langestreckte Fabrikhalle aus Backstein mit einem an der Nordwestecke anschließendem Bürogebäude aus Sandstein

Quellen
  • Otto Kissel, Aglasterhausen mit den Ortsteilen Breitenbronn, Daudenzell und Michelbach - Geschichte einer Landgemeinde, Horb am Neckar 2000, S. 76f.
  • Die Industrie in Baden im Jahr 1925, bearb. u. hg. v. Badischen Statistischen Landesamt, Karlsruhe 1926, S. 239.
Autor/in
Sebastian Parzer
Objektnummer
210
Adresse
Bahnhofstraße 27
74858 Aglasterhausen
Geo
49.35168, 8.991205
Zufahrt

Von der B 292 von Sinsheim oder Mosbach kommen den Hinweisschildern "S-Bahn" folgen. Etwa 100 Meter nordwestlich der S-Bahnendstelle in der Bahnhofstraße unmittelbar neben der Bundestraße das ehemalige Fabrikgebäude.

Nächste Haltestelle des öffentlichen Nahverkehrs: S-Bahn-Haltepunkt Aglasterhausen

Denkmalschutz
Unbekannt