ehemaliges Feuerwehrgerätehaus Mannheim-Neckarau

Der einstöckige Bau steht auf einem Sandsteinsockel, wurde aber ansonsten mit gelben Backsteinen und roten Zierklinkern errichtet. Das Hauptgeschoss wird umlaufend durch breite Segmentbogenfelder charakterisiert. Zur Straße haben diese Segmentbogenfelder die Funktion von Durchfahrten für die großen Feuerwehrfahrzeuge. An den anderen drei Seiten des Gebäudes handelt es sich jedoch heute um Blendfelder, in die teilweise schmale Hauseingänge oder Fenster eingelassen sind. Die beiden mittleren hofseitigen Felder hatten ehemals ebenfalls die Funktion großer Tordurchfahrten. Das Dachgeschoss ist als hölzerne Fachwerkkonstruktion ausgebildet, wobei die Gefache ebenfalls mit gelben Backsteinen ausgemauert sind. Durch den hohen Kniestock und die flache Dachneigung erhält das Dachgeschoss nahezu Vollgeschossqualität. Die Hauptbelichtung liegt an den beiden Giebelseiten. Zur Straße kragt das Dach weit aus, um dem Fuhrwerk, das mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen ursprünglich zum Wiegen vorgefahren kam, bei Regen Schutz zu bieten.

Obwohl es sich um einen Funktionsbau handelt weist die Fassade durch die Bänderung der Pfeiler und die sandsteinernen Schlusssteine dennoch einen ersichtlichen Gestaltungsanspruch auf. Eine horizontale gesimsartige Gliederung wird durch die Schrägstellung der roten Klinker sowie durch die Abfolge der Sparrenköpfe bewirkt. Auch das Fachwerk erhält durch das Band aus Andreaskreuzen eine liegende Form.

Das eigentliche Spritzenhaus im Erdgeschoss war eine quadratsiche Halle. Südlich neben dieser Halle lagen eine Kammer, die Waschküche sowie die Treppe ins Dachgeschoss. Dieses beherbergte eine 5-Zimmerwohnung mit Küche und Innentoilette,wobei die Gesamtfläche ca. 100 qm beträgt.

Nutzung (ursprünglich)

Spritzenhaus der Freiwilligen Feuerwehr; eingeschossiger Anbau später für Leichenwagen; straßenseitig unter der Verdachung im Boden eingelassen lag die Gemeinde-Waage

Nutzung (derzeit)

seit 2005 Veranstaltungs- und Ausstellungshalle des Vereins Geschichte Alt-Neckarau (mit Museums-Klause)

Geschichte

Die damals noch selbständige Gemeinde Neckarau errichtete in den Jahren 1888-89 in der Rheingoldstraße (bis 1922 Kaiser-Wilhelm-Straße) ein neues Rathaus, dem auf dem rückwärtigen Grundstücksteil mit separatem Zugang an der Rathausstraße ein Spritzenhaus für die Feuerwehr sowie ein Volksbad angefügt wurden. Die politische Selbständigkeit erlosch, als der Ort bereits nach 10 Jahren zum 1. Januar 1899 zu Mannheim eingemeindet wurde. Die Notwendigkeit einer Ortsfeuerwehrmannschaft erfolgte 1889 unter dem Eindruck der wenige Jahre zurückliegenden Brandkatastrophe der Rheinischen Gummi und Celluloid-Fabrik.

Die sogenannte Rathaus-Remise beherbergte die im Jahre 1891 erworbenen Löschfahrzeuge und Geräte für die ca. 100 Mann starke Freiwillige Feuerwehr sowie in einem eingeschossigen Anbau später auch den pferdegezogenen Leichenwagen. Unter der weit vorkragenden straßenseitigen Verdachung war auf dem Boden die Gemeinde-Waage untergebracht.

Nach der Eingemeindung wurde auch die Freiwillige Feuerwehr Neckarau in die Mannheimer Feuerwehr integriert. Zusätzlich gab es in dem Stadtteil noch die Werksfeuerwehr der Rheinischen Gummi- und Celluloid-Fabrik. 1927 verlegte man die Feuerwache in einen Neubau an der Neckarauer Straße, der aber schon 1963 der Verbreiterung der Hauptverkehrsachse weichen musste.

Eigentümer
Stadt Mannheim
Erbauer
Gemeinde Neckarau
Bauzeit / Umbauten
1889
Quellen
  • Verein Geschichte Alt-Neckarau
  • Hansjörg Probst: Neckarau, Mannheim 1989, Bd. 2
Autor/in
Monika Ryll
Letzte Änderung
Objektnummer
182
Adresse
Rathausstraße 1 a
68199 Mannheim
Geo
49.453943, 8.49123
Kontakt

1. Vorsitzender des Vereins Geschichte Alt-Neckarau: Helmut Wetzel, E-Mail: helmut.wetzel@t-online.de

Zufahrt

ÖPNV: DB-Bahnhof Mannheim-Neckarau oder Straßenbahnlinie 1, Haltestelle Friedrichstraße: von dort ca. 10 Minuten zu Fuß; Buslinie 50 Haltestelle Neckarau-Marktplatz

Öffnungszeiten

Geöffnet jeden letzten Sonntag im Monat 14 Uhr bis 17 Uhr

Denkmalschutz
Ja
Barrierefrei
Nein