Teufelsbrücke in Mannheim

Die Teufelsbrücke ist die älteste erhaltene Brücke in Mannheim. Sie ist die mittlere von ehemals drei beweglichen Brücken über den Verbindungskanal, einem 1878/79 erbauten Hafenbecken, zwischen dem Stadtteil Jungbusch und der Mühlauinsel. Laut „Die Mannheimer Hafenanlagen (1929)“ Der Verbindungskanal ist 1300 m lang und 90 m breit. Wegen der geringen Durchfahrtsbreite der Teufelsbrücke wurde sie seit ca. den 1970er Jahren nicht mehr bewegt. Die Schiffe, die Sand und Kies zu dem Betonwerk TBS oberhalb der Brücke liefern, benutzten seither die Zufahrt über den Mühlau-Hafen.

Abrisspläne abgewehrt

Im Jahr 2009 sollte nach Plänen der Staatlichen Rhein-Neckar-Hafengesellschaft Mannheim mbH diese Brücke abgerissen werden, um den Kiesschiffen zu TWS die Fahrt unmittelbar vom Neckar zu ermöglichen. Anschließend sollte auch die Mühlau-Hubbrücke beseitigt werden. Die Pläne stießen auf vielfältigen, lang andauernden Widerstand, angeführt von der Bürgerinitiative „Rettet die Teufelsbrücke!“. Die Teufelsbrücke steht unter Denkmalschutz als das einzige erhaltene Brückenbauwerk aus der Hoch-Zeit der Mannheimer Industrialisierung. Im Jahr 2012 gab die Hafengesellschaft die Abrisspläne auf, bis 2016 wurde die Brücke in Schüben optisch aufgehübscht. Die auskragenden Gehwege wurden entfernt. Es wurden Geländer nach dem Vorbild der ursprünglichen Brücke angebracht. Das Tragwerk, das Maschinenhauses und die Schleusenanlage wurden jedoch nicht saniert. Das Maschinenhaus bekam ein neues Dach, die Fenster sind jedoch in einem traurigen Zustand. Die Auseinandersetzungen sind im Downloadbereich dokumentiert.

Beschreibung der Brücke

Die Brücke ist eine unsymmetrische Drehbrücke mit dem Drehzapfen auf dem westlichen Widerlager. Wegen der geringen Spannweite rücken die Widerlager weit in das Hafenbecken vor und bilden somit lange Brückenköpfe. Sie bestehen aus Stützmauern mit Sandsteinverkleidung. Hier besticht die qualitätsvolle Steinmetzarbeit, besonders bei den gewölbten Neben-Durchlässen in beiden Brückenköpfen. Insbesondere die Mauern auf der westlichen Seite (Mühlau-Insel) sind noch gut erhalten..

Der Brückenträger besteht seit 1902/03 aus einem genieteten Blechträger, hergestellt durch die MAN, sicher in deren Brückenbauanstalt Mainz-Gustavsburg. Die Gehwege kragen an angenieteten Blech-Auslegern aus. Die über 100 Jahre alte Technik ist noch fast vollständig vorhanden, wird derzeit aber nicht mehr zum Einsatz gebracht.

Der elektrische Antrieb befindet sich in einem separat auf der Nordseite des westlichen Brückenkopfs stehenden Maschinenhäuschen. Dieses besteht aus Stahlfachwerk, hat Rauhputz-Wände und ein sehr flaches Satteldach. Es ruht (wohl zum Hochwasserschutz) an den Ecken auf Sandstein-Sockeln.

Der Antriebs- und Hubmechanismus unter der Brücke ist leicht nachvollziehbar. Die großen Maschinenteile sind sehr beeindruckend. Allerdings ist die technische Gestaltung der Drehbrücke im heutigen Zustand der Brücke nicht zu sehen, denn sie wird nicht mehr bewegt und der seitliche Zugang im Westen ist versperrt.

Eine genau Beschreibung des Tragwerks, des Drehmechanismus und des Antriebs finden Sie in „Die Teufelsbrücke - Beschreibung, Geschichte, Technik und Begründung für ihre Erhaltung” unter Dateien

Unmittelbar nördlich an die Brücke schließt sich ein zweiflügeliges, genietetes Stemmtor an, welches eine Strömung durch das Hafenbecken vom Neckar her verhindern soll. Die Stützmauern haben hier beiderseits senkrechte Nuten zum Einstecken von Dämmbalken für Reparaturen an den Schleusentoren. Auf beiden seitlichen Mauern sind freistehende Handwinden mit Kegelradgetrieben für den Tor-Antrieb (über Zahnstangen, die in halber Tor-Höhe aus Mauernischen herausragen). Das Tor ist um 2008 durch einen angeschraubten Riegel und durch Seile dauerhaft verschlossen worden.

Nutzung (ursprünglich)

Dreh-Brücke mit Fußgängersteg für Last- und Personenverkehr.

Nutzung (derzeit)

Reine Fußgängerbrücke.

 

Geschichte

Die Teufelsbrücke entstand etwa gleichzeitig mit der Spatzenbrücke beim Bau des Verbindungskanals im Jahre 1878. Einer der berühmtesten deutschen Wasserbau-Ingenieure, Karl Imhoff, am 07.04.1876 in Mannheim, N 4,11 geboren, war seit 1899 als Regierungsbaureferendar bei der badischen Rheinbauinspektion tätig. Ihm wird der Umbau der Spatzen- und Teufelsbrücke zugeschrieben.

1902/03 erhielt sie einen neuen Überbau aus Blechträgern sowie einen neuen Antrieb; durchgeführt durch die MAN. Wegen des großen Schiffs- und Fußgängerverkehrs früherer Zeit wurde auf der Nordseite der Brücke ein parallel verlaufender hoch gelegener  Fußgängersteg gebaut, um eine Passage auch bei geöffneter Brücke zu ermöglichen. Davon sind nur noch wenige Fundamentreste vorhanden sind. Gleichzeitig wurden auskragende Gehwege mit neuen Geländern mit Jugendstilornamentik angebracht. Ein Teil dieser Geländer ist bis 2014 erhalten geblieben, wenn auch in stark korrodiertem Zustand.

Seit den 1970er Jahren wurde die Brücke nicht mehr bewegt. Lastverkehr durfte sie nicht mehr benutzen, zuletzt war sie eine reine Fußgängerbrücke. Das ist sie bis heute.
Nach dem zähen Kampf gegen den Abriss der Brücke (2009-2012) wurde die Brücke 2014-16 aufwändig renoviert.

Eigentümer
Land Baden-Württemberg
Bauzeit / Umbauten
1874, technische Erneuerung 1902, Stilllegung ca. 1970
Autor/in
Albert Gieseler
Letzte Änderung
Objektnummer
73
Adresse
Verlängerte Jungbuschstraße
68159 Mannheim
Geo
49.4943542, 8.4557565
Kontakt
  • Gemeinschaftszentrum Jungbusch: www.jungbuschzentrum.de
  • Staatliche Rhein-Neckar-Hafengesellschaft Mannheim mbH
    Direktion Rheinvorlandstraße 5
    68159 Mannheim
    Fon:. 0621 292-2991
    Fax: 0621 292-3167
    E-Mail: info@hafen-mannheim.de
Zufahrt

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Ja