Wasserturm der Firma John-Deere-Lanz AG

Der Turm (Bau 30 auf dem Firmengelände) besteht aus einem 42 m hohen Standrohr mit 3 m Durchmesser und Wandstärken von nur 14 mm (unten) bis 9 mm (oben). Daran schließt sich der kegelförmige Behälter mit maximal 10 m Durchmesser und 6,70 m Höhe an, so dass die Spiegelhöhe 48,70 m über Gelände liegt. Der Wasserturm ist unter den Mannheimer Wassertürmen der einzige Vertreter der modernen Bauweise, die vom Typ Intze I abgeleitet ist und zum größten Teil aus dem konischen Außenring besteht. Der Wasserturm umfasst ca. 800 Quadratmeter Außenfläche. Die Gesamthöhe beträgt 50,50 m. Das Wasserreservoir umfasst 400 qm. Er ist mit einem Rostschutz-Voranstrich konserviert und und mit einem weißen Spezial-Dickschichtlack gestrichen.

Da das Wasser nur im Brandfalle entnommen wird und der Behälter keine Außenisolierung hat, muss er bei Frostgefahr beheizt werden. Hierzu wird durch einen Wärmetauscher erwärmtes Wasser in der Nähe des Wasserspiegels eingeleitet und unten im Druckrohr entnommen, so dass es zirkuliert. Die Heizung schaltet sich bei niedriger Lufttemperatur ein, und die Wassertemperatur wird überwacht.

Nutzung (ursprünglich)

Sprinkler-Wasserturm zur Druckerhöhung

Nutzung (derzeit)

Sprinkler-Wasserturm zur Druckerhöhung

Geschichte

Schon im Jahre 1902 hatte Heinrich Lanz (1838-1905) Kontakt zur amerikanischen Landmaschinenfabrik John Deere aufgenommen. Er besuchte in dem Jahr das Unternehmen an seinem Hauptsitz in Moline im Bundesstaat Illinois. Der Pionier der amerikanischen Landmaschinenindustrie John Deere (1804-1886) war bereits verstorben, aber Heinrich Lanz wurde mit dessen Sohn Charles Deere (1838-1907) bekannt, der ihm auf die Rückreise nach Europa viele Anregungen mitgab.

Die Firma Heinrich Lanz war um 1900 mit der Verlegung des Mannheimer Werkes von der Schwetzingerstadt zum Lindenhof beschäftigt. Die Landmaschinen wurden weltweit verkauft und das Werk wuchs zunehmend. Nach dem Tode des Firmengründers wandelten die Witwe und die Kinder mit Gesellschaftsvertrag vom 28.Dezember 1909 das Werk in eine Offene Handelsgesellschaft um. Nach dem Ersten Weltkrieg und frühen Tode des Firmenerben Karl Lanz 1921 gründeten die damals noch lebenden fünf weiblichen Familienmitglieder Julia Lanz, Helene Röchling, Emily Bumiller, Valentine von Seubert und Gisella Lanz im Jahre 1925 mit insgesamt 12 Mio. Mark Gesellschaftskapital die Aktiengesellschaft Heinrich Lanz.

Nachdem im Jahre 1956 der 200.000ste Bulldog die Maschinenfabrik Heinrich Lanz in Mannheim-Lindenhof verlassen hatte, erwarb die amerikanische Firma "Deere & Company, Moline" im selben Jahr - noch zu Lebzeiten der Alt-Aktionärinnen Valentine von Seubert und ihrer Schwägerin Gisella Lanz - die Aktienmehrheit des Traditionsunternehmens. 1960 wurde der Firmenname in "John Deere-Lanz AG" abgeändert. Gleichzeitig wurde mit Ende der Fertigung des Lanz Bulldogs die Produktion grundlegend um- und zwei komplett neue Traktorenmodelle vorgestellt. 1967 wurde der Firmenname wiederum geändert in "John Deere Mannheim Zweigniederlassung der Deere & Company".

Da insbesondere von den Farbspritzanlagen in der Traktorenfertigung eine hohe Feuergefahr ausgeht, sind die Hallenbereiche mit Sprinkleranlagen ausgerüstet. Um diese Löscheinrichtung auch ohne Pumpen betreiben zu können, errichtete das Unternehmen John-Deere-Lanz AG in den Jahren 1966-67 einen neuen, vollständig geschweißten Stahlwasserturm. Auf dem Firmengelände stehen somit zwei Wassertürme: der alte heute ungenutzte Lanz-Wasserturm (https://www.rhein-neckar-industriekultur.de/objekte/wasserturm-der-firm…) und der einzige in Mannheim in der Nachkriegszeit errichtete Wasserturm der Firma John Deere.

Eigentümer
John Deere GmbH & CoKG
Erbauer
John Deere-Lanz AG
Architekt
Baubüro John Deere Zweibrücken
Bauzeit / Umbauten
1966-67
Quellen
  • Gefährliche Arbeit, in: John Deere Report Nr. 23, Dezember 1974
  • Albert Gieseler/Monika Ryll: Wassertürme in Mannheim. ein kunst- und technikgeschichtlicher Führer, Mannheim 1997, S. 82-83
  • Die Erfolgsgeschichte der John Deere Werke Mannheim 1859-2012, hrsg. vom John Deere Werk Mannheim 2012
  • Monika Ryll: Drei Schwestern aus gutem Hause. Helene Röchling, Emily Bumiller und Valentine von Seubert, in: Mannheimer Geschichtsblätter 34/2017, S. 69-82
Autor/in
Monika Ryll
Letzte Änderung
Objektnummer
348
Adresse
John-Deere-Straße 70
68163 Mannheim
Geo
49.4727385, 8.4759713
Kontakt

John Deere GmbH & Co.KG, John Deere Werk Mannheim, John-Deere-Straße 70, 68163 Mannheim, Tel. 0621-82901

Zufahrt

ÖPNV Straßenbahnlinie 1 (Haltestelle Hochschule) oder Straßenbahnlinie 3 (Haltestelle Diesterwegschule)

Öffnungszeiten

Das Firmengelände ist mit Ausnahme des John-Deere-Forums öffentlich nicht zugänglich.

Denkmalschutz
Nein
Barrierefrei
Nein