Zweigniederlassung der Bauunternehmung Joseph Hoffmann & Söhne

Die Fassade des dreigeschossigen neoklassizistischen Putzbaus wird vertikal durch einen Mittelrisalit und horizontal durch Gesimsbänder gegliedert. Die Fenstergewände weisen in den einzelnen Geschossen eine unterschiedliche bildhauerische Bearbeitung auf. Im Erdgeschoss handelt es sich um schlichte Rahmen mit einer Sohlbank, die auf kleinen Konsolen ruht. Im ersten Obergeschoss sind die Fenster entweder mit Dreieck- oder Segmentgiebel bekrönt, wobei die beiden seitlichen Fenster darüber hinaus mit Pilastern hervorgehoben werden. Das mittlere Stockwerk wird durch die besondere kunsthandwerkliche Verzierung der Fenster als Bel Étage deklariert. In der obersten Etage haben die Fenster einen Architrav und auch hier die beiden äußeren eine aufwändige Pilasterrahmung. Wie im Erdgeschoss tritt die Sohlbank auf kleinen profilierten Konsolen leicht vor der Außenwand hervor. Vor die mittlere Fensterachse wurden jeweils in den beiden Obergeschossen Balkone auf volutenartige Sandsteinkonsolen gesetzt. Die Brüstung mit kleinen Balustern ist ebenfalls aus Sandstein. An der nördlichen Grundstücksgrenze führt ein breites zweiflügliges Tor zur Durchfahrt in den Hof. Der ursprüngliche Dachaufbau ist nicht erhalten. Die vornehme ausgewogene Fassade ist ein gut erhaltenes Beispiel für eine Gründerzeitarchitektur.

Der Boden der Durchfahrt ist mit großen Sandsteinplatten belegt. Die Wände sind mit Pilastern und Bögen aus Stuck verziert. Linkerhand befindet sich der Zugang ins Treppenhaus, das mit Terrazzo, gusseisernem Geländer, Sandsteinstufen und repräsentativen Wohnungsabschlüssen den Geschmack der Bauzeit dokumentiert. Nahezu sämtliche Wohnungen im Vorderhaus zeigen mit Fliesen- und Parkettböden, Stuck, Lambrien, kassettierten Türen und Türgewänden noch die Wohnkultur der Zeit um 1880.

Im Seiten- und Rückgebäude befand sich ursprünglich das Baubüro mit den Zeichensälen von "Joseph Hoffmann & Söhne". Die starke Durchfensterung der zweigeschossigen Trakte geben hierzu einen guten Hinweis. Auch am Rückgebäude weisen die Fenster aufwändige Sandsteingewände mit Ohrenrahmung und Schlussstein auf. Am Seitengebäude werden die großen Fenster durch schmale Pilaster optisch verbunden. Hier im rückwärtigen Grundstücksteil empfing die Bauunternehmung ihre Auftraggeber und deshalb wurde selbst im Hinterhof an architektonischen Zierelementen nicht gespart. Dies wird besonders deutlich auch durch die qualitätvolle Holzausstattung aus Eiche im Innern. Der Mitinhaber der Firma, Joseph Hoffmann jun., der selbst im ersten Stockwerk des Vorderhauses wohnte, konnte von seiner Wohnung aus über den Seitenflügel direkt sein Büro im ersten Stock des Hinterhauses erreichen. Das ehemalige Direktionszimmer ist mit aufwändiger historischer Innenausstattung noch komplett erhalten. Die Wandschränke mit Schiebebrettern, Wandfliesen, Waschtisch, Vertäfelungen, Parkettboden und Türelemente vermitteln einen wichtigen Eindruck für das Interieur einer Baufirma der Zeit um 1900.

Nutzung (ursprünglich)

Baubüro und Wohnhaus

Nutzung (derzeit)

Wohnhaus

Geschichte

Der Mannheimer Steinhauer und Maurer Joseph Hoffmann (1810-1881) gründete im März 1843 in Ludwigshafen ein Baugeschäft, das sich aus kleinen Anfängen in den nächsten 100 Jahren zu einem der wichtigsten Unternehmen der Region entwickeln sollte. Ab 1853 firmierte er zunächst mit seinem zehn Jahre jüngeren Bruder Wendelin Hoffmann (1820-1896) als "Gebr. Hoffmann". Aber nachdem seine drei Söhne Franz (1844-1920), Wendelin (1845-1891) und Joseph (1850-1913) herangewachsen waren und allesamt den Beruf des Baumeisters bzw. Architekten ergriffen hatten gründeten die beiden Brüder Joseph und Wendelin Hoffmann jeweils eigene Unternehmen.

Joseph Hoffmann etablierte um 1870 das Unternehmen "Joseph Hoffmann und Söhne", sein Bruder Wendelin führte nun das Baugeschäft "Gebr. Hoffmann" alleine weiter. Beide Baufirmen werden in der Literatur leider häufig miteinander verwechselt und nicht sauber unterschieden. "Joseph Hoffmann und Söhne" firmierte von 1870 bis 1913 als OHG, von 1913 bis 1922 als GmbH und von 1922 bis zur Auflösung 1958 als Aktiengesellschaft. Während "Joseph Hoffmann und Söhne" sich mehr als Ingenieurfirma verstand, arbeitete das Büro "Gebr. Hoffmann" eher auf dem Gebiet der Baukunst wie Projektierung, Planfertigung und Bauleitung von Wohn- und Geschäftshäusern, Denkmälern, Innendekorationen, aber auch industriellen Anlagen. Auch der Mitbegründer der Firma "Gebr. Hoffmann", Wendelin Hoffmann, übertrug sein Baugeschäft schließlich an die nächste Generation. Ab 1. Februar 1885 übernahmen seinen drei Söhnen Joseph (1857-1944), Wilhelm (1858-1889) und Xaver (1859-1916) unternehmerische Verantwortung.

In beiden Firmen, die sowohl in Ludwigshafen als auch in Mannheim tätig waren, ergriff schließlich die dritte Generation das Ruder. Die Aktiengesellschaft "Joseph Hoffmann & Söhne" leiteten ab 1922 die Vorstandsmitglieder Franz, Julius und Friedrich Hoffmann. In die Firma "Gebr. Hoffmann" trat im Jahre 1920 der Architekt Wilhelm Wendelin Hoffmann (1890-1969) ein, der ein Jahr später den bekannten Architekten Rudolf Tillessen in das Unternehmen aufnahm. Das Baugeschäft wurde nun ausschließlich als Architekturbüro geführt.

Nachdem die Geschäfte gut gingen und sich die Auftragslage gut entwickelte, etablierte das Ludwigshafener Unternehmen "Joseph Hoffmann & Söhne" um 1875 in Mannheim eine Zweigniederlassung. Es erwarb die nebeneinander liegenden Baugrundstücke in B 7,5/ B 7,6 und B 7,7 und errichtete hier 1880 einen Gebäudekomplex mit Wohnhäusern an der Straßenseite und rückwärtigen Baubüros. Die Bauunternehmung "Joseph Hoffmann & Söhne" gehörte um 1900 neben dem Baugeschäft F & A. Ludwig mit ca. 1100 Mitarbeitern und im Jahre 1922 mit sogar 2500 Beschäftigten zu den wichtigsten Baufirmen der Rhein-Neckar-Region und zeichnete für zahlreiche Großaufträge ingenieurmäßig verantwortlich. Hierzu zählen insbesondere Bauten für die BASF, Raschig, Giulini und Knoll in Ludwigshafen, aber auch das Mannheimer Börsengebäude in E 4, die Rheinische Creditbank in B 4, das Verwaltungsgebäude der Siemens-Schuckertwerke in N 7, Lagerhäuser im Mühlauhafen und am Rheinkai, Mühlenbauten, die Schalthausanlage des Großkraftwerkes, das Theresienkrankenhaus, die Festhalle Rosengarten sowie der Wasserturm auf dem Friedrichsplatz. Der Betrieb hatte sich um 1900 auf die Ausführung von Eisenbetonbauten spezialisiert. Das war in der damaligen Zeit eine neue Konstruktionsweise, die große Spannweiten ermöglichte. Ein interessantes Beispiel war das Planetarium im Mannheimer Unteren Luisenpark, für welches die Firma die Gründung im Jahre 1927 mittels Presseisenbetonpfählen nach ihrem eigenen, zum Patent angemeldeten System und die Kuppel in Torkreteisenbeton mit einer Schalenstärke von 4,5 cm nach einer auch von ihr selbst erdachten Herstellungsweise ausgeführt hatte, für die ebenfalls ein patentamtlicher Schutz beantragt war. Das im Zweiten Weltkrieg nur wenig zerstörte Planetarium hielt dem Abbruch im Jahre 1953 lange stand. Dem Niederreißen wurde man nicht durch Presslufthämmer, sondern erst durch Sprengungen Herr, was sicherlich ein guter Beleg für die dauerhafte Bauweise der ausführenden Firma war. Auch beim Capitolkino in der Waldhofstraße wendete die Bauunternehmung Joseph Hoffmann & Söhne das Torketverfahren an (siehe hierzu https://www.rhein-neckar-industriekultur.de/objekte/capitolkino-mannheim).

In die Wohnung des ersten Obergeschosses in B 7,5 zog um 1880 der im Unternehmen für Mannheim zuständige Teilhaber Joseph Hoffmann jun. (1850-1913) mit Familie ein. Nach seinem Tode lebte hier noch lange Jahre seine Witwe. Während des Ersten Weltkriegs richtete sich der Sohn und Firmenmiterbe, der Diplom-Ingenieur und Regierungsbaumeister Friedrich Hoffmann, im Erdgeschoss des Hauses wohnlich ein.

Viele Jahrzehnte lebte auch der spätere Direktor der Kunsthalle Dr. Heinz Fuchs (1917-2001) zusammen mit seiner Ehefrau Lisa Kretschmar (1918-1988), der bekannten Solotänzerin am Nationaltheater und Professorin für Tanz an der Staatlichen Hochschule für Musik Heidelberg-Mannheim, im ersten Obergeschoss.

Die Gebäude B 7,6 und B 7,7 wurden Opfer der Kriegszerstörung. Um 1955 veräußerte die Aktiengesellschaft "Joseph Hoffmann & Söhne" im Vorfeld der Übernahme des Unternehmens durch die Stuttgarter Baufirma Wolff & Müller das Anwesen B 7,5 an den Porzellanfabrikanten Max Köhler. Die Familie Hoffmann ist mit Hans und Julie Hoffmann in dem Gebäude aber noch bis nach 1970 dokumentiert. Von den Nachfahren des Max Köhler erwarben zu Beginn des neuen Jahrtausend die heutigen Eigentümer, das Ehepaar Jöst, das Grundstück. 2010 erhielten sie vom Verein Stadtbild den Preis für Denkmalpflege für die vorbildliche Sanierung des Hauses.

Eigentümer
Familie Jöst
Erbauer
Joseph Hoffmann & Söhne
Architekt
Joseph Hoffmann
Bauzeit / Umbauten
um 1880
Quellen:
  • Gustaf Jacob: Wilhelm W. Hoffmann zum Gedenken, in: Mannheimer Hefte, 1970, Bd. 2, S. 43ff
  • Siegfried Fauck: "Hoffmann, Joseph", in: Neue Deutsche Biographie 9, 1972, S. 429
  • Ferdinand Werner: Mannheimer Villen, Worms 2009, S. 273ff; leider mit falscher Zuschreibung, da die beiden Cousins Joseph Hoffmann (1850-1913) und Joseph Hoffmann (1857-1944) zu einer Person "verschmelzen".
  • Denkmalakte Stadt Mannheim
Autor*in
Monika Ryll
Letzte Änderung
Objektnummer
400
Adresse
B 7,5
68159 Mannheim
Geo
49.4885209, 8.4578172
Zufahrt

ÖPNV Straßenbahnlinie 1 und 6 (Haltestelle Rheinstraße), Buslinie 60 (Haltestelle Universität West)

Öffnungszeiten

öffentlich nicht zugänglich

Denkmalschutz
Ja
Barrierefrei
Nein