Faszinierende Sichtweisen

Mannheimer Technoseum zeigt Werke von 13 Fotografen in der Ausstellung „Industriehafen im Fokus

Blick auf Hildebrandmühle © Annette SchrimpfVon unserem Mitarbeiter Helmut Orpel

Häfen stecken voller Geschichten. Von außen schwer einsehbar und in ihrer Größe oft nicht zu überschauen, bilden sie geheimnisvolle Labyrinthe am Rande der Städte. Von alters her sind sie die pulsierenden Knotenpunkte der Warenströme im weit verzweigten Netz des Handels. Der Mannheimer Hafen bildet hier ein eindrucksvolles Beispiel. Er gehört zu den größten Flusshäfen Europas. Mit seinen Verbindungskanälen, Lagerhäusern und Schiffsanlegestellen war er seit jeher eine Herausforderung für Fotografen, wie eine aktuelle Ausstellung im Technoseum zeigt. Sie wurde vom Verein Rhein-Neckar-Industriekultur zusammengestellt und trägt den wenig inspirierend anmutenden Titel "Industriehafen im Fokus".

Hochkarätige Bilder

Bei den Exponaten handelt es sich nicht nur um historische Aufnahmen aus dem Bereich der Stadtentwicklung, wie der Titel vielleicht nahelegt. Vor allem unter dem künstlerischen Aspekt ist diese Ausstellung, an der auch Thomas Rittelmann, Fotograf dieser Zeitung, beteiligt ist, sehr sehenswert, denn die 13 teilweise sehr hochkarätigen Fotografinnen und Fotografen gehen mit ihren Arbeiten weit über den dokumentarischen Wert des Fotos hinaus.

Der Altmeister der Schwarz-Weiß-Fotografie, der im letzten Jahr verstorbene Robert Häuser, ist mit mehreren Arbeiten vertreten, die aus ungewöhnlicher Vogelperspektive die Löschung eines Schiffes zeigen. Diese Fotos, die als Vintage-Abzüge eines besonderen Schutzes bedürfen, sind in den frühen sechziger Jahren entstanden. Der Gegenwart entstammen die Arbeiten von Günther Wilhelm, einem sehr experimentierfreudigen Fotografen, der sowohl analog als auch mit der Lochkamera arbeitet. Bei den langen Belichtungszeiten, die bei der Lochkamera erforderlich sind, entstehen Überblendungen und surreal anmutende Szenerien.

Das Zeichnen mit dem Licht spielt auf andere Weise in den Fotografien von Konstantinos Simeonidis eine Rolle. Durch die besondere Ausleuchtung in der Nacht entstehen im graubraunen Nebel scharfe Konturen, die die Monumentalität der Gebäude oder der Ladekräne zusätzlich betonen und den Fotos eine haptische, skulpturale Wirkung verleihen. Verstärkt wird dies noch durch Spiegelungen im Wasser.

Annette Schrimpf gewinnt den alten Gebäuden und neuen Ladevorrichtungen bei ihren Fotografien durch die Farbwirkung besonders weiche Töne ab, was der Monumentalität, wie sie bei Simeonidis erscheint, geradezu entgegengesetzt ist. Hier ist der menschliche Blick das Maß aller Dinge. Nach verborgenen Idyllen sucht Barbara Straube offenbar und entdeckt sie in einem Kleingarten zwischen Kanal und Polat-Bau, wo sich ein eifriger Gärtner im Tomatenbeet zu schaffen macht.

Menschen sind auf diesen Fotografien eher selten zu sehen. Elsa Hennseler-Etté beschäftigt sich mit den Leuten, die im Hafen arbeiten, so der Schleusenwärter oder der Schiffer aus Rotterdam, der sich mit dem Fahrrad zum Landgang aufmacht. Neben Robert Häuser gehört auch Gerhard Vormwald zu den im Technoseum gezeigten Fotografen, die sich auch international einen Namen gemacht haben. Von ihm sind Fotografien zu sehen, die man sowohl von der Perspektive als auch von der Farbwirkung her als malerisch bezeichnen könnte.

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 16.10.2014
Foto: Reizvolle Perspektive: „Blick auf die Hildebrandmühle” von Annette Schrimpf.

ZUR AUSSTELLUNG

  • Die Ausstellung „Industriehafen im Fokus" des Vereins Rhein-Neckar-Industriekultur e.V. ist bis 26. Oktober im Technoseum Mannheim zu sehen.
  • Die Schau versammelt über 50 Fotografien der folgenden 13 Fotografinnen und Fotografen: Ariane Coerper, Jo Goertz, Gerhard Heckmann, Elsa Hennseler-Etté, Harald Priem, Thomas Rittelmann, Annette Schrimpf, Bernd Seiler, Konstantinos Semionidis, Barbara Straube-Köhler, Gerhard Vormwald, Lutz Walzel und Günther Wilhelm.
  • Öffnungszeiten: täglich 9 bis 17 Uhr, Eintrittspreise: Erwachsene 6 Euro, ermäßigt 4 Euro. Telefon: 0621 / 4 29 89. gespi