Arbeitersiedlungen in Mannheims Norden

RadtourRadtour – ca. 8 km

Auf unserer Radtour besichtigen wir 8 der 14 zumindest teilweise noch existierenden Mannheimer Siedlungen, die von Unternehmen zur Unterbringung ihrer Arbeiter angelegt wurden. Insgesamt gab es 17 Arbeitersiedlungen aus der Zeit bis 1921.

Bevor es losgeht, noch ein bisschen Hintergrund:

Wo sollen die denn alle wohnen?

… und vor allem: wie? Die Frage stellte sich sehr schnell nach dem Entstehen der ersten Fabriken in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die Einwohnerzahl Mannheims aufgrund der guten Beschäftigungsmöglichkeiten sprunghaft anstieg. Schon 1848 hatte Friedrich Engels die verheerende Wohnsituation der Textilarbeiter in Manchester eindringlich beschrieben, und seitdem war die Schaffung angemessener Wohnmöglichkeiten für Arbeiter und ihre Familien ein Thema nicht nur für die Fabrikeigentümer, sondern auch für Architekten, Stadtplaner und Ministerien in ganz Europa.

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Und nun können wir starten!

Die Karte zeigt nur die Objekte, nicht den Weg!

Unser erster Stopp ist in an der Ecke Juteweg / Spindelweg. Hier befindet sich die Siedlung der Süddeutschen Juteindustrie samt Mädchenwohnheim. Details zur Geschichte der Firma finden Sie hier; an den Überresten fahren wir später noch vorbei.

01

Jutesiedlung in Mannheim

Geo
49.539134, 8.452477

Auf einer Fläche von ca. 17.000 qm entstanden ab 1898 insgesamt 120 Wohnungen. Jedes Haus verfügt über ein ca. 340 qm großes Grundstück. Wie bei der älteren Zellstoffsiedlung entstand der überwiegende Teil der Jutesiedlung nach dem Mülhausener Schema mit Kreuzhäusern, d.h. die Brandwände im Innern eines Gebäudes bildeten ein Kreuz.

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02

Mädchenwohnheim Mannheim-Sandhofen

Geo
49.5389, 8.4512

Das fast 100 m lange Gebäude bildet den städtebaulichen Abschluss der kleinteiligen Jutesiedlung. Ursprünglich zog sich das Grundstück mit einem großen Garten bis zu den Schienen der Sandhofer Vorortbahn, die dieselbe Streckenführung hatte wie die heutige Straßenbahn. Aus diesem Grunde liegt der Hauptzugang an der Rückseite des Gebäudes im Juteweg.

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Übrigens: die Straßennamen wurden erst bei der Eingemeindung zu Mannheim 1913 festgelegt. Vorher gab es nur Nummern. Die Eingemeindung war damals umstritten, der treibende Grund war der Anschluss an die städtische Wasserversorgung.

  • Wir fahren eine Besichtigungsrunde durch den Spindelweg bis zum Ende,
  • biegen nach rechts auf den Sisalweg
  • und dann wieder rechts auf der Niederbronner Straße zurück zur Leinenstraße.
  • Von dort in Richtung Süden unter der Brücke hindurch,
  • auf der Sandhofer Straße halten wir uns links und biegen in die Neurottstraße ein.
  • An Anfang der Papyrus-Siedlung (Hausnr. 10) ist unser nächster Stopp.

03

Papyrussiedlung in Mannheim

Geo
49.536294, 8.459

Zur Siedlung gehörten ursprünglich 20 zweigeschossige vollunterkellerte Putzbauten, die zu Zweier- oder Dreierblöcken aneinander gebaut sind. Der Gebäudeblock für die Meisterwohnungen sowie der direkt westlich daran anschließende sind nicht mehr existent. Der Wohnraum unter den Walmdächer erhält durch Zwerchhäuser und Gauben Belichtung und mehr Volumen. Jedes Geschoss hat zwei Wohnungen.

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  • Wir fahren auf der Neurottstraße zurück, 
  • biegen links ab auf die Sandhofer Straße.
  • Nun kommen wir auf dem Gelände der Essity GmbH an den Resten der Jutefabrik vorbei
  • Wir biegen links ab in die Zellstoffstraße und halten ungefähr zwischen Nr. 27 und 29.

04

Zellstoffsiedlung in Mannheim

Geo
49.532188, 8.468656

Die heute noch existierenden acht Häuser der Zellstoffsiedlung sind nur ein kleiner Rest der ursprünglichen Anlage. Außer den Familienwohnungen hatte die Fabrik für ihre unverheirateten Arbeiter noch 12 Schlafsäle mit zusammen 375 Betten errichtet. Für die Benutzung wurde einschließlich der Bett- und Handwäsche 1 Mark im Monat fällig. Von diesen Gemeinschaftshäusern steht heute keines mehr.

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  • Wir fahren weiter auf der Zellstoffstraße bis zur Unterführung B44 (Frankenthaler Straße),
  • quälen uns die Treppe hoch oder schieben ein kurzes Stück auf dem Fußweg rechts bis zum Radweg parallel zur B44. 
  • Wir folgen diesem Weg bis zur Unterführung Waldhof Nord, Ecke Leo-Sternbach Straße, wo wir links auf den Radweg abbiegen. 
  • Wir schlängeln wir uns unter der B44 und der Bahn hinauf zur Waldstraße und überqueren die Brücke Richtung Südwesten.

Bei Nr. 30 beginnt die Bopp & Reuter-Siedlung.

  • Wir fahren langsam daran entlang (es gibt Kunst am Bau zu sehen) bis zur Alten Frankfurter Straße.

Übrigens: ein bisschen weiter südlich, Ecke Waldpforte auf der linken Straßenseite, beginnt die Gartenstadt. Keine Werkssiedlung, daher nicht Thema dieser Tour. Einen Abstecher können Sie natürlich trotzdem machen.

  • Wir biegen rechts ab bis zur Einfahrt neben Nr. 40f, stellen die Räder ab und gehen ein paar Schritte vor in die Anlage.

Achtung – dies ist ein Privatgelände! Ggf. freundlich fragen.

05

Bopp & Reuther-Siedlung in Mannheim-Waldhof

Geo
49.529261, 8.486957

Es handelt sich bei der Bopp & Reuther-Siedlung um den identischen Bautypus wie bei der kurz zuvor ebenfalls nach Entwürfen von Carl Reuther und Wilhelm Söhner entstandenen Draissiedlung. Die Anlage wurde an der Waldstraße zwischen der Alten Frankfurter Straße und damals noch existierender Sandtorfer Straße (heute Zufahrt zum Baumarkt) errichtet. Der nordwestliche Häuserblock wurde aus Rücksicht auf den Straßenverlauf schräg gestellt.

Die sechs Blöcke sind aus gelben Backsteinen mit roten Zierklinkern erbaut. Jeder Block hat sechs Häuser mit jeweils sechs risalitartigen Treppenhäusern.

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  • Wir folgen der Alten Frankfurter Straße,  
  • biegen links in die Atzelhofstraße
  • und an der 2. Kreuzung rechts in den Fichtenweg.
  • Ab Nr. 12 beginnt die Draissiedlung.

06

Draissiedlung in Mannheim-Waldhof

Geo
49.52325, 8.48726

Bei der Draissiedlung handelt es sich um denselben Typus wie bei der Bopp & Reuther-Siedlung. Wie dort geht der Entwurf auf eine Zusammenarbeit von Carl Reuther und Wilhelm Söhner zurück. Die beiden identischen dreigeschossigen Wohnblöcke sind aus gelbem Backstein mit roten Zierklinkern gemauert. Zur Südostseite haben die Fenster Klappläden.

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  • Wir fahren bis zum Ende des Fichtenwegs,
  • biegen links in den Speckweg bis zum Kreisverkehr,
  • biegen dort auf die Karl-Feuerstein-Straße, 
  • unterqueren die Bahn, 
  • überqueren die Luzenbergstraße,
  • und fahren auf dieser ein Stück entlang bis zu einem kleinen Durchgang rechts, der uns auf das Gelände der Spiegelkolonie führt. 
  • Wir fahren vor bis zum Werkseingang St. Gobain, wo sich auch die letzte originale Gebäudezeile der Spiegelkolonie befindet.

07

Spiegelkolonie Mannheim

Geo
49.520389, 8.47682

Die ca. 4 km vom Mannheimer Stadtzentrum entfernt liegende Siedlung umfasste ursprünglich 19 Wohnblöcke mit insgesamt 366 Wohnungen, darunter 14 einzelne, 39 zweistöckige und 313 im Erd- ober Obergeschoss gelegene. Von diesen steht nach Verlusten im Zweiten Weltkrieg und umfangreichen Abbrüchen in der Nachkriegszeit heute nur noch eine einzige Wohnhauszeile, nämlich die in der Rue de St. Quirin 134-154 (nach dem Ersten Weltkrieg Graf-von-Brauer-Straße; heute Spiegelstraße 31-51).

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  • Wir fahren entlang der Häuserzeile bis zum Ende
    (rechts sieht man die ehemalige Kantine, heute Gaststätte „Spiegelschlössl“)
  • biegen links ab in die Eisenstraße
    (rechts das Gebäude, in dem die Schwesternstation untergebracht war),
  • fahren bis zum Ende und dann weiter zu unserem letzten Haltepunkt,
    entweder direkt auf der B44, oder etwas ruhiger auf der Eisenstraße,
  • dann geradeaus weiter auf der Diffenéstraße, 
  • über die Hafenbahnstraße, schräg gegenüber in die Industriestraße,
  • dann links in die Löwitschstraße,
  • am Ende rechts halten unter der Eisenbahnbrücke hindurch.

Die Häuser der Gaswerksiedlung befinden sich auf der anderen Straßenseite (kleine Warnung: sie sind nicht besonders spektakulär). 

08

Gaswerksiedlung Mannheim-Luzenberg

Geo
49.511961, 8.471852

Das Hochbauamt staffelte die einzelnen vollunterkellerten 7 Blöcke sowohl in ihrer Lage, in ihrer Länge als auch in ihrer Höhe und erhielt damit eine malerische Rhythmisierung. Hinter den straßenseitigen zweistöckigen Häusern ordnen sich versetzt dreistöckige an.

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Dies ist das Ende der Tour.

Wer noch nicht genug hat, kann noch ein kleines Stück weiter südlich auf der Waldhofstraße die Erlenhofsiedlung entdecken, das erste Projekt der GBG; keine Werkssiedlung, aber trotzdem interessant.