Presse

Tagung zum Thema „Denkmalschutz und Industriekultur“

Rheinpfalz

BASF-Hochhaus Thema bei Experten-Treffen

Das BASF-Hochhaus ist eines der markantesten Gebäude in Ludwigshafen. ARCHIVFOTO: KUNZ

MANNHEIM. Zu einer öffentlichen Tagung zum Thema „Denkmalschutz und Industriekultur“ lädt der Verein Rhein-Neckar-Industriekultur ein. Am Freitag, 7. Dezember, sollen von 14 bis 17 Uhr in der Alten Brauerei in Mannheim, Röntgenstraße 7, aktuelle Beispiele aus der Region besprochen werden. Bei kaum einemThema, meinen die Veranstalter, würden die Befürchtungen und Erwartungen so weit auseinander gehen wie beim Denkmalschutz, insbesondere was Industriedenkmale betrifft. Thematisiert werden soll auch die Auseinandersetzung um das Ludwigshafener BASF Hochhaus, das das Unternehmen gerne abreißen lassen würde. Was kann der Denkmalschutz tatsächlich bewirken? Wie können historisch bedeutsame Objekte der Industriegeschichte erhalten werden? Wie sieht es mit Umnutzung und Modernisierung aus? Mit diesen Fragen soll sich die Veranstaltung beschäftigen. Experten des Denkmalschutzes aus der Region berichten von ihren Erfahrungen. Die Teilnahme an der Tagung ist kostenlos. (rhp)

„Kunst am Bau” zeigt vernachlässigte Kunstwerke

Mannheimer Morgen

Ausstellung im Markthaus / Führungen vor Ort

Die Ausstellung zeigt Kunstwerke, die in den 50er und 60er Jahren entstanden, hier mit dem Geschäftsführer Thomas Weichert bei der Eröffnung. Bild: ZG

Die gesamte Ausstellungswand im Markthaus an der Neckarauer Floßwörthstraße ist dicht mit großen quadratischen Detailaufnahmen von Mannheimer Kunstwerken bestückt. Die 60 Fotos stecken nicht in edlen Rahmen, sie sind auf strapazierfähige Planen gedruckt - Bauplanen für die „Kunst am Bau”. Es handelt sich um großformatige Fotos von Kunstwerken im öffentlichen Raum der 50er und 60er Jahre. Die Kunstwerke mussten nicht nur ein halbes Jahrhundert dem Wetter trotzen. Oft sind sie mit Müllcontainern halb zugestellt und verstaubt. Auch das zeigen einige Aufnahmen.

„Eigentlich ist es höchste Zeit, dass diese Werke wieder ins Bewusstsein gebracht werden”, betonte Dr. Andreas Schenk bei der Eröffnung der Ausstellung. Der Stadtbauschreiber des Mannheimer Architektur- und Bauarchivs berichtete, dass es Kunstwerke an Bauten seit der Antike gebe.

Als Programm zur Förderung von Künstlern durch öffentliche Aufträge sei es jedoch noch keine hundert Jahre alt. In der NS-Zeit sei die Idee ideologisch vereinnahmt worden. Nur linientreue Künstler seien zum Zuge gekommen. Ein Werk von Rudi Baerwind sei damals kurzerhand übertüncht worden, weil es nicht heroisch genug gestaltet war.

„Die Werke beschreiben auffallend oft Hafenszenen und viele arbeitsbezogene und typisch städtisch-soziale Motive”, betonte Hilde Seibert vom Verein Rhein-Neckar-Industriekultur, die zusammen mit Barbara Ritter die Fotografien gemacht hat. Zu finden sind sie an Häuserfronten, in den Eingangshallen von Behörden, aber auch in Betrieben und an tristen Orten wie in der Binnenhafenstraße, wo man sie kaum erwartet.

Die Ausstellung geht bis Jahresende und ist so konzipiert, dass noch weitere Fotos - auch von Besuchern - dazukommen können. Außerdem soll es Führungen zu den Werken vor Ort geben. Die erste startet am Donnerstag, 25. Oktober, um 16 Uhr in B 1,1-2 im Treppenhaus der Handwerkskammer vor dem Wandbild aus Naturstein und Glasmosaik von Ernst W. Kunz. Sie endet gegen 19 Uhr im Hof des Finanzamts bei der Keramikkunst von Tutti Veith mit einem Erzählcafé in der Coffee-Lounge in L3, 9. Anmelden können sich Interessenten unter www.meier-online.de. Die Kosten betragen zehn Euro zuzüglich Gebühren.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 19.10.2012

Kunst am Bau in Zeiten des Wirtschaftswunders

Mannheimer Morgen

Rhein-Neckar-Industriekultur zeigt 60 großformatige Bilder von Werken aus den 50er und 60er Jahren

Ein Werk von Ernst W. Kunz hat im Arbeitsgericht seinen Platz. BILD: ZG

Um „Kunst am Bau der 50er und 60er Jahre in Mannheim” geht es bei einer Ausstellung, die der Verein Rhein-Neckar-Industriekultur am Samstag, 8. September, um 14 Uhr im Markthaus–Secondhandkaufhaus (Floßwörthstraße 3-9) eröffnet. Zu sehen sind über 60 großformatige Bilder von mehr als 30 Objekten. Dr. Andreas Schenk, Stadtbauschreiber des Architektur- und Bauarchivs, wird in die Ausstellung einführen.

Zahlreiche künstlerische Objekte schmücken Hausfassaden und Eingangshallen von Betrieben, Behörden und Schulen, die aus den Ruinen erbaut wurden. Doch die Arbeiten jener Jahre wirken heute vielfach verstaubt und verstellt, man nimmt sie nicht wirklich wahr. Dabei sind es oft Meisterwerke des Glas-Mosaiks und der Keramik, feingliedrige Buntglasfenster oder schwere Betonreliefs, die an den Häuserfronten Akzente setzen.

Zu den Künstlern, die dort ihre Spuren hinterließen, zählen Tutti Veith (Finanzamt), Eva Lindner (Hafenamt), Ernst Kunz (Handwerkskammer), Edgar Schmandt (Schillerschule), Rudi Baerwind (Peter-Hebel- Schule) oder Hans Nagel (Hochschule und ehemaliges Gesundheitsamt). Bei vielen Werken kennt man jedoch heute den Künstler nicht mehr. Andere Wandbilder sind gar hinter Hausdämmungen verschwunden.

Die Werke beschreiben oft Hafenszenen und viele arbeitsbezogene und typisch städtisch-soziale Darstellungen in der „neuen“ Formensprache der 50er Jahre. Die Bandbreite reicht von figürlich bis abstrakt und spiegelt so die kreative Vielfalt dieser Epoche wider. Wie häufig beim Verein Rhein-Neckar- Industriekultur handelt es sich um eine wachsende Ausstellung. Das heißt, es können durchaus noch Fotos nachgeliefert werden. Wer weitere Kunstobjekte entdeckt, kann die Ausstellung gerne mit einem Foto ergänzen. Eine Führung zu einigen Bauten mit Kunstwerken in der Innenstadt ist für den 25. Oktober geplant. Das Markthaus-Secondhandkaufhaus, Floßwörthstraße 3-9, in Neckarau ist montags bis freitags von 10.30 bis 19 Uhr und samstags von 9.30 bis 16 Uhr geöffnet. red

Vernissage am Samstag, 8. September, 14 Uhr, im Markthaus.

Mannheimer Morgen, Mopdose, Mehlpackung und noch mehr gesucht

Mannheimer Morgen

Verein Rhein-Neckar-Industriekultur bereitet Ausstellung zum alten Konsum vor

„Konsum“ – mit der Betonung auf der ersten Silbe! Die Älteren kennen noch die gängige Einkaufs-Vokabel und auf die Erinnerung dieser frühen Kunden setzt der Verein Rhein-Neckar-Industriekultur. Er will mit alter Mopdose für den Wischeinsatz, mit Rabattmarkenheftchen, vergilbten Fotos oder frischgebliebenen Einkaufsgeschichten eine Ausstellung im Technoseum bestücken.

Der Verein Rhein-Neckar-Industriekultur bittet um die leihweise Überlassung von Erinnerungsstücken von der Seife über die Mehltüte bis zur Cremedose.
Kontakt:
Telefon: Barbara Ritter 0621-448823,
E-Mail: Seibert@rhein- neckar-industriekultur.de

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Besser geht's kaum

Rheinpfalz

Engagement für die Denkmalpflege in Rheinland-Pfalz ist vor kurzem mit dem Sparkassen Denkmalpreis ausgezeichnet worden. Zu den Preisträgern gehört die renovierte ehemalige Filzfabrik Melchior Hess in Speyer – ein Beispiel für die Umwandlung eines Industriebaus zu Wohnzwecken.

Mühlen-Ausbau vor dem Start

Mannheimer Morgen

Kaufmannmühlen-Besitzer Suhl will nach langem Hin und Her 22 Millionen Euro am Verbindungskanal investieren. Von Anke Philipp.

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Jetzt also doch „Barock”

Mannheimer Morgen

Der Neubau soll idealtypisch dem Zustand des Scherer-Palais nachempfunden sein / Bürger-Proteste erfolgreich. Von Roger Scholl.

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Mannheimer baut Museum der stummen Mannequins auf

Mannheimer Morgen
Der Mannheimer Kulturhistoriker Wolfgang Knapp sammelt Schaufensterpuppen. Foto: AfP Asel

Seit fast 200 Jahren unterwerfen sie sich, ohne mit der Wimper zu zucken, dem jeweiligen Modediktat. Sie lächeln uns aus Schaufenstern entgegen- doch wer glaubt, er kennt sie, der täuscht sich: Schaufensterpuppen haben sich seit ihrem ersten Auftritt Mitte des 19. Jahrhunderts in den feinen Ateliers der Pariser Schneidermeister ebenso rasant verändert wie die Mode selbst.

Nostalgische und historische Schaufensterfiguren gelten daher als ausgesprochen wertvolle Sammlerobjekte. Begegnen sie uns heute zumeist auf das Wesentliche reduziert, nicht selten sogar gesichts- oder kopflos, wurden in früheren Zeiten realistische Darstellungen bevorzugt: die kühl blickende 1920er-Jahre-Schönheit oder in den 1950er-Jahren sogar Dickbäuchige und Karikaturfiguren.

Geschichte der stummen Mannequins

Eine große Sammlung solcher Schaufensterfiguren hat Wolfgang Knapp zusammengetragen. Der Mannheimer Kulturwissenschaftler und Kunsthistoriker betreut ein in Deutschland einzigartiges Projekt: den Aufbau eines Archivs und Museums zur Geschichte der Schaufensterfigur. Sozial-, Kunst- und Industriegeschichte sollen dabei spannend miteinander verflochten werden.

Das Vorhaben „Dauerausstellung“ ist zwar noch im Werden, doch aktuell widmet der Verein Industriekultur Rhein-Neckar - gerade von Mannheims Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz für sein ehrenamtliches Engagement als Schützer und Bewahrer der Kulturgüter der Region ausgezeichnet - den stummen Verkaufshelfern im Secondhand-Kaufhaus „Markthaus“ in Mannheim-Neckarau eine eigene Ausstellung mit vielen Fotos.

Darunter befindet sich eine Serie über die Herstellung und Kreation von Schaufensterfiguren in einem Mannheimer Betrieb. „Immer anziehend - Schaufensterfiguren in Kunst und Kommerz“ heißt sie und ist bis einschließlich 30. März geöffnet. Wolfgang Knapp wird am heutigen Freitag um 17 Uhr einen Vortrag zur Geschichte der Puppen halten und hat viel zu erzählen: „Wer sich ein wenig mit diesem Thema befasst, wird auch heutige Schaufensterpuppen mit ganz anderen Augen sehen“, betrachtet er die stummen Mannequins nicht als Mittel zum Zweck, um Mode zu transportieren, sondern als echtes Kulturgut. „Die Geschichte der Schaufensterfiguren spiegelt den Wandel der Schönheitsideale, von Moral und Zeitgeist, Sozial- und Industriegeschichte wider“, so Knapp, und dass die Figuren zugleich zu den wichtigsten Erfindungen visuellen Marketings zählen. Für die geplante Dauerausstellung sucht er derzeit nach Partnern und Sponsoren in der Metropolregion. Die Zusammenarbeit mit einem Museum hält Knapp für ebenso denkbar wie die Kooperation mit einem Partner aus der freien Wirtschaft.

„Das Deutsche Schaufensterfiguren-Museum beispielsweise in ein bestehendes Modehaus einzubetten - ein reizvoller Gedanke“, findet der Kulturwissenschaftler.

Von Heike Warlich-Zink

Schreiber nimmt dir alle Sorgen

WOCHENBLATT Mannheim

Die Erfolgsgeschichte eines Lebensmittelhändlers in Neckarau. Von Veith Lennartz

Wir schreiben das Jahr 1850. Es ist die Zeit des demokratischen Aufbruchs. Gleiches Wahlrecht für alle wird gefordert, Handelsschranken sollen fallen, und die Kleinstaaterei soll ein Ende finden. In wenigen Jahren wird die Mannheimer Akte für freie Schifffahrt auf dem Rhein von Basel bis ans Meer sorgen. In der Quadratestadt beginnt ein wirtschaftlicher Aufschwung, noch leben in Mannheim nur 25.000 Menschen.

Die Gelegenheit scheint günstig für Johann Schreiber. In T 1,6, am damaligen Neckartor, gründet er ein Handelsgeschäft mit Kolonialwaren, und im Laufe der Jahre häuft er ein kleines Vermögen an. 1881 übernehmen seine Söhne Georg, Konrad und Heinrich das Geschäft, 60.000 Einwohner zählt Mannheim inzwischen, Tendenz steigend. Entsprechend rasant geht es bei Schreibers aufwärts, zahlreiche Filialen werden in den verschiedenen Stadtteilen und später auch in den Nachbargemeinden Ludwigshafen, Speyer, Schwetzingen, Heidelberg, Weinheim und Viernheim eröffnet. Über ihren Großhandel beliefern die Schreibers inzwischen auch Württemberg und Bayern.

Weil das Haus in T 1,6 zu klein geworden ist, kommen die Häuser 7 und 8 dazu und werden zu fünfstöckigen Lagergebäuden umgebaut. Doch die Firma platzt aus allen Nähten, und so beschließt man einen Neubau. Der soll verkehrstechnisch günstig liegen, und da kommt das Grundstück in Neckarau an der Rheintalbahn wie gerufen. Ende 1913 ist Baubeginn, bei Kriegsausbruch 1914 steht der Rohbau, aber mangels Arbeitskräften wird das Gebäude erst 1917 fertig.

Auf 12.000 Quadratmetern ist modernste Logistik entstanden mit Warenaufzügen und internen Transportmitteln zum Be- und Entladen und Stapeln. Auf dem Hof ist Platz für Autos und Pferdefuhrwerke. Und das alles gibt es im neuen Areal: eine Kaffeerösterei für Bohnenkaffee, eine Anlage zur Herstellung von Malzkaffee, eine Sauerkrautfabrik mit Bottichen für je 50 Zentner und eine Wein- und Apfelweinkelterei. Außerdem werden Lebensmittel für den Einzelhandel verpackt.

Und so hat sich Schreiber 1937 im Mannheimer Adressbuch vermarktet: „Die Hausfrau spricht: was koch ich morgen? Schreiber nimmt dir alle Sorgen. Urahne, Großmutter, Mutter und Kind wissen, wo Schreiberläden sind. Jeder Zweifel ist verschwunden, Schreiber leistet Dienst am Kunden.“

Mannheim hat übrigens inzwischen 280.000 Einwohner.

Nach dem Zweiten Weltkrieg geht es gleich weiter und steil bergauf. Man kauft beim Schreiber – oder auch beim Konsum. Der Konsum wird später zu co-op, und dieser co-op kauft die Schreiber-Filialen zu einer Zeit auf, als es für den Einzelhandel eng wird auf dem Markt, mit stetig wachsender Konkurrenz. 120 Jahre Schreiber gehen zu Ende. Und ausgerechnet mit co-op geht Schreiber schließlich auch unter. Managementfehler haben das Unternehmen ruiniert.

Der Gebäudekomplex in der Fabrikstationstraße in Neckarau wird von der Fleischfabrik Müller aufgekauft. Heute sind eine Fleischwarenfabrik, verschiedene Firmen, das Fotostudio und Atelier „Fabrikstation“ und Schulungsräume in den Gebäuden untergebracht. Donnerstags ist für alle Wurst- und Fleischverkaufstag.

Das große dreistöckige Lagerhaus ist am besten von der anderen Seite der Bahnlinie, der Siemensstraße aus zu sehen. Die Fassade gleicht ein wenig einem griechischen Tempel, farblich außergewöhnlich schön mit Orangetönen und Grau gestaltet und mit weißen Putzornamenten verziert. Ein Schmuckstück inmitten eines grauen Industrie-Areals und ein Stück Mannheimer Geschichte.

Was wird aus der Kauffmannmühle?

WOCHENBLATT Mannheim

Um 1900 war Mannheim größtes Mühlenzentrum Süddeutschlands. Von Veit Lennartz

Vor allem der Bau des Industriehafens wirkte wie ein Magnet auf die Branche, es gab genügend Platz für die riesigen Mühlen- und Speichergebäude und der Rhein war ein idealer Transportweg. Sechs Mühlen säumten allein die Ufer des Industriehafens, Namen wie Goldpuder oder Aurora machten Produkte aus Mannheim europaweit bekannt. Kauffmannmühle, Germania Mühlenwerke, Pfalzmühle, Parkmühle, Hildebrandmühle, Hubermühle, Rheinmühlenwerke und Bunge – ehemals Verein deutscher Ölfabriken – so lauten die Namen und die meisten Mühlen sind noch in Betrieb.

Die riesige Kauffmannmühle, mit dem massiven Silo und den ehemaligen Mahl- und Verwaltungsgebäuden am Verbindungskanal im Jungbusch spielt in Mannheim eine besondere Rolle. Was hat dieser Bau nicht für Fantasien beflügelt: Eventcenter, Lofts, schickes Wohnen am Hafenbecken, es wurde entworfen, geplant und verhandelt. Heute steht die alte Kauffmannmühle baufällig am Rande des Kiez‘, rottet mit jedem Jahr mehr vor sich hin und bremst die Entwicklung am Verbindungskanal, wo Popakademie, Musikpark und Studentenwohnheime Akzente setzen. Nur im ehemaligen Verwaltungsgebäude haben sich die Internet-Firma digi-info, Radio Sunshine und die Künstlerinitiative zeitraumexit niedergelassen.

Die Kauffmannmühle war die erste der sechs dampfgetriebenen Mannheimer Mehlmühlen. Angefangen hat alles mit dem Handelsgeschäft für Material-, Farb- und Spezereiwaren, das der Heidelberger Händler Eduard Kauffmann in Mannheim 1839 eröffnete. Seine Söhne betrieben eine Mühle im Schriesheimer Tal, ein Standort, der sich bald als ungünstig herausstellte. Man wuchs und brauchte immer mehr Getreide aus der ganzen Welt – der Transportweg war vor allem das Wasser. Deshalb zog man 1883 in den Hafen nach Mannheim, wo ja auch schon der Vater aktiv war.

Das riesige, 30 Meter hohe Silo aus gelbem und rotem Sandstein hatte Kammern für 70.000 Zentner Getreide. Gegenüber entstand das Verwaltungsgebäude und daneben an der Ecke Hafenstrasse und Böckstrasse das eigentliche Mühlengebäude. Die Konkurrenz schlief natürlich nicht und so musste rationalisiert werden. Es kam zu Konzentrationen. Die Pfälzischen Mühlenwerke – eine Großmühle im Industriehafen – beteiligte sich in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts maßgeblich am Grundkapital. Die Kauffmanns hatten nicht mehr viel zu sagen, durften aber im Aufsichtsrat Platz nehmen.

Obwohl so riesig und ein offensichtliches Ziel für Angriffe, überstand die Kauffmann-Mühle den Zweiten Weltkrieg ohne nennenswerte Schäden. Die Produktion wurde wieder aufgenommen, die Geschäfte liefen gut, aber dann kamen Vorschriften zur Strukturanpassung wegen Überkapazitäten. Das Aus kam 1960 nach 77 Jahren. Die Marke „Rheingold”, die das Werk bekannt gemacht hatte, verschwand.